Unterwegs auf dem Via Dinarica

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Wissenswertes für den Via Dinarica

Verpflegung und Wasser

Wegbeschaffenheit

Vorbereitung und Ausrüstung


Trailtagebuch vom Via Dinarica

Tag 1 - 

 

   

Tag 2 -  Mount Obruc - Platak // ca. 17 km 

 

Um 5 Uhr werde ich das erste Mal vom Regen geweckt, anschließend noch einmal um 7 und um 8 Uhr. Der Wetterbericht zeigt keine Besserung bis 12 Uhr mittags und so beschließe ich kurzerhand den Vormittag lesend im Zelt zu verbringen, anstatt mich dem tobenden Gewitter zu stellen. Pünktlich um die Mittagszeit lockern sich die Wolken, ich packe zusammen und mache mich auf zur Spitze von Mount Obruc. Keine 5 Minuten später erreiche ich sie und stelle zu meiner Verwunderung fest, dass ich nicht alleine bin. Zwei Tagesausflügler stehen am Gipfelkreuz. Wir grüßen uns und ich ziehe weiter den Kamm entlang. Nach etwa 1,5 Stunden erreiche ich die Hütte Hahlic. Die Hütte ist gut besucht, schnell komme ich mit ein paar Einheimischen ins Gespräch und die Hüttenwirtin serviert mir einen Tee aufs Haus. Alle finden etwas sonderbar, dass ich gerne alleine unterwegs bin und ich habe das Gefühl die nette Behandlung ist auch dem Fakt geschuldet, dass ich als Frau alleine im Ausland wandere. Schließlich breche ich auf in Richtung Platak. Nachmittage sind nicht meine Stärke und so schlendere ich ein bisschen hin und her, verlaufe mich zweimal und genehmige mir mein Abendessen bereits um 17 Uhr mitten auf dem Trail. Trotzdem ich die Augen nach natürlichen Wasserquellen offen halte finde ich einfach keine. Kurz vor Platak sehe ich dann eine Wassergrube umringt von Schafen. Die Hirten sagen aber "Nein" nachdem ich "water" fragend in ihre Richtung rufe. Fair enough, dann gehe ich halt zur Hütte. Leider gibt's auch dort kein trinkbares Wasser aus dem Hahn, dafür aber Wasserflaschen zu kaufen und so genehmige ich mir direkt noch ein Alster dazu und setze mich ein bisschen auf die Terrasse des Veliki Dom Platak. Übrigens: Die Hütte sieht sehr gut aus und das Essen wurde von mehreren Tageswanderern gelobt, hätte ich mich mal zusammen gerissen und nicht vorab mein Abendbrot verschlungen; naja man lernt nie aus. Als ich aufbreche ist es bereits nach 20 Uhr - schnell wird ein Zeltplatz gesucht, denn die Sonne geht bereits in einer Stunde unter und ich darf nicht zu weit entfernt vom Dom schlafen, denn ein kurzes Stück weiter beginnt der Nationalpark, wo Zelten strengstens untersagt ist. Daran möchte ich mich auch halten. Ein paar Kilometer entfernt (Richtung Guslica) werde ich fündig und schlage das Zelt in einem Waldstück nahe des Trails auf.

 


Tag 3 - 

 


Tag 4 - Trsce nach Crni Lug // ca. 30 km 

Früh um halb 7 weckt mich der Hüttenwirt, da er nach Rijeka muss. Es gibt ein kurzes Frühstück und dann machen wir uns zu dritt auf nach Trsce. Ich will mir im Konzum Supermarkt noch ein wenig neuen Proviant kaufen. Allerdings halten wir erst einmal nebenan, wo in der Dorfkneipe in illustrer Runde von zehn bereits angetrunkenen Männern erst einmal ein Schnaps getrunken wird. Zweites Frühstück also. Nachdem ich im Konzum aufgestockt habe (ist empfehlenswert) starte ich mein erstes Stück auf dem White Trail (offiziell Etappe zwei in Kroatien). Leider ist der Start eher enttäuschend: Die Markierung ist mangelhaft, mehrmals verlaufe ich mich und knapp hinter der Kirche (noch vor Hrib) geht dann gar nichts mehr. Der ehemalige Trail ist einfach scheinbar jahrelang zugewachsen, genau so gut könnte man mitten durch einen dichten Wald laufen. An der nächsten Straßengabelung entschließe ich mich daher die Straße als Alternative zu wählen. Ab Podgric schließt der Trail wieder an die von mir gewählte Straße an und ab da beginnt dann der schönste Teil der heutigen Route. Es geht den Kupa Fluss entlang zur Kupa Quelle. Der Weg bis zur Quelle ist schon wunderschön, aber die Quelle an sich ist besonders sehenswert. Dort angekommen ist es bereits Nachmittag, die Sonne brennt und so traue ich mich ins eiskalte Nass (später werde ich erfahren, dass die Quelle als Naturreservat geschützt und es damit strengstens untersagt ist hier zu baden; ups). Nachdem ich mich von der Sonne habe trocknen lassen geht es weiter. Mittlerweile läuft Josef (74) aus Österreich mit mir, der mit Abstand sportlichste ü-70er den ich kenne. Wir legen noch gute 15 km Asphalt und Schotterpiste bis kurz vor Crni Lug hinter uns. Dort entscheide ich mich für das zelten hinter einer Wiese und er versucht sein Glück in einer der Unterkünfte in dem Städtchen (wo er allerdings nicht fündig wird und deshalb auf dem Friedhof von Crni Lug nächtigt).

Tag 5 -  Crni Lug bis Fuzine // ca. 31 km 

Die Nacht im Zelt war eher mässig, denn als Allergikerin in einem Gräserfeld zu schlafen stellte sich als keine gute Idee heraus. Nachdem alles eingepackt ist geht es wie bereits angelernt in die Dorfkneipe/auch Café genannt. Mal wieder bin ich die einzige Frau im Laden, der schon gut nach Slivo und Männerschweiß riecht. Allerdings überrascht der Cappuccino positiv und die Bedienung ist auch super. Kurz noch Josef eingesammelt und dann geht es Richtung Nationalpark Risjnak. Hier fallen 45 Kuna für den Eintritt an, anschließend geht es in knapp drei Stunden hoch zum Schlosserov Dom, einer Hütte, die leider derzeit aufgrund von Besetzungsproblemen nicht betreut wird. Was zu Deutsch bedeutet: Leider kein Gipfelbier. Josef lässt mich beim Aufstieg ganz schön schwitzen, Mann ist der Typ in Form. An der Hütte angekommen wird der Rucksack abgelegt und dann geht es noch einmal 20 Minuten hoch bis auf die Spitze des Berges Risnjak. Tolle Aussicht! Nach einer kurzen Fotosession machen wir uns getrennt an den Abstieg. Josef geht weiter nach Platak, ich beschließe Fuzine in Angriff zu nehmen. Der Abstieg ist nett und unaufregend, anschließend geht es ein Stück an der Straße entlang. Und dann ist leider wieder das Kriechen durch den Busch angesagt, weil der Trail völlig zugewachsen ist. Kurzerhand beschließe ich heute genug Energie in das Auseinanderdrücken von Ästen investiert zu haben und suche mir über Google Maps eine Alternative entlang begeh-/ und leider auch gut befahrener Wege. Es geht eine Stunde an der Schnellstraße entlang, bevor eine ruhigere Straße und später ein Uferweg in die Stadt Fuzine führt. Schnell buche ich eine Unterkunft (Apartment Julia, sehr zu empfehlen) und treffe pünktlich zur Abendbrotszeit in Fuzine ein. Allerdings erst um 20:05 Uhr und der Supermarkt hat leider seit 5 Minuten geschlossen. Aber kein Problem, ich entschließe mich für einen "Gönnerabend", was übersetzt Dreigängemenü im Restaurant bedeutet.

 

Tag 6 - Fuzine // 0 km

 

Nun gut vielleicht war das keine gute Idee mit dem Abendessen, denn irgendetwas war da faul und zwar wortwörtlich. In jedem Fall geht es mir so schlecht, dass an Weiterwandern nicht zu denken ist. Stattdessen verlängere ich meinen Aufenthalt um eine Nacht und nutze die Zeit, um meine Vorräte aufzustocken (der Supermarkt in der Dorfmitte ist zu empfehlen) und um diverse Kleidungsstücke zu waschen und den Rucksack zu entmüllen. 

 

Tag 7 - Fuzine bis kurz vor Celimbasa // 28 km

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer Abschiedsdusche geht es weiter über eine Straße nach Lic, wo ich wieder auf den Trail zurückfinde. Es folgt ein längerer Anstieg auf den Visevica (1428m), dessen Spitze ich pünktlich zur Mittagszeit erreiche. Mit Ausblick auf die Küste, die vorgelagerten Inseln und die Berglandschaft um mich herum genieße ich mein Mittagessen. Dann geht es wieder den Berg hinab, immer schön der wirklich sehr gut markierten Wege entlang.... bis ich nach 5 km realisiere, dass der als Via Dinarica markierte Weg nicht der richtige ist bzw. nicht in die richtige Richtung führt (steht übrigens auch als Kommentar bei der heutigen outdooractive Etappe; wer lesen kann ist klar im Vorteil). Na gut, ich habe natürlich keine Lust zurückzulaufen und so verbringe ich den Nachmittag auf alternativen Wegen und Routen, ganz die Abenteurerin, bis ich gegen Abend neben einem Schotterweg eine kleine, vom Weg nicht einsehbare Waldoase entdecke und dort mein Camp aufschlage.  

Tag 8 - Vor Celimbasa bis Dragutin Hut // 32 km

Auf der Straße geht es weiter in Richtung Celimbasa. Dann entscheide ich mich für einen Umweg über die Stadt Mrkopalj. Dort gibt es nämlich einen Supermarkt und ich habe auf einmal ein irrsinniges Verlangen nach einem Käsebrot mit Gurke. Gesagt, getan. Nach dem Kurzeinkauf geht es auf weiter über Tuk ins Naturreservat Bijele Stijene - erst auf Asphalt, später auf Schotterwegen. Ein Mann, der am Wegesrand wilde Erdbeeren pflückt, erzählt mir von den vielen Bären, die er in den letzten Tagen gesehen hat. Ich halte gespannt die Augen auf, werde aber (leider) nicht fündig. Am Nachmittag besteige ich den Samarskhi Stijena (1302m), anschließend wird das Terrain schwieriger. Die Wege erinnern mich an die Sächsische Schweiz, sind aber etwas herausfordernder. Ab der Hütte Ratklovo Skloniste ist dann voller Körpereinsatz gefragt. Ich klettere zwischen Felsen, ziehe mich an Klettersteigen entlang, versuche meinen Rucksack durch enge Felsspalten zu quetschen. Die körperliche Herausforderung dieser Etappe habe ich unterschätzt, dennoch kann ich die Schönheit wertschätzen. Als ich bei der Dragutin Hütte ankomme ist dort eine volle Party im Gange. Die Mountaineering Association aus Zagreb, die die Hütte gebaut hat und betreut, ist gerade dabei die benachbarte Schutzhütte neu zu errichten. Seit einer Woche schleppen sie Material an und zimmern, in zwei Wochen soll das neue Gebäude stehen. Etwa 40 Menschen sind beteiligt, denn das Material konnte nicht per Helikopter gebracht werden und die Pferde kommen die Trails nicht entlang, also muss alles zu Fuß auf den Berg getragen werden. Ich bediene mich an der Zisterne, um mein Wasser aufzufüllen und werde direkt eingeladen vor der Hütte zu zelten und mitzufeiern. Es wird gegrillt, getrunken, gelacht und ich als ich mit kaltem Bier und Bratwurst am Feuer sitze und in den Himmel schaue wird mir einmal wieder bewusst wie dankbar ich dafür bin, diese Art von Reisen machen zu können und in diesem Fall noch dazu diese unglaubliche Gastfreundschaft der Kroat*innen genießen zu dürfen. 

Tag 9 - Dragutin Hut bis Krivi Put // ca 34 km

Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von meinen Gastgeber*innen und nehme Etappe sieben laut offizieller Via Dinarica outdooraktive-Einteilung in Angriff. Ich lese zwar die Kommentare, die davon sprechen, dass der Weg vollkommen überwuchert ist und man am besten über Wege und Straßen nach Alternativen suchen sollte, merke dies aber erst zu spät. Nach zwei Stunden und 2,5 km gebe ich auf und schlage mich einmal quer durchs Gebüsch auf die Landstraße. Ab da versuche ich die weitesten Teile auf befestigten Wegen hinter mich zu bringen. Den Kolovratske Stijene (1091m) nehme ich noch mittelmäßig motiviert mit, als dann aber später der Trail noch einmal den Weg verlässt und ich mich einmal komplett über einen dicht bewachsenen Hügel schlagen muss gebe ich auf und beschließe auf Höhe von Alan auf einen parallelen Forstweg zu wechseln und den zweiten Gipfel (Alino Bilo) nicht mehr zu besteigen. Immerhin verbleiben zwei Highlights des heutigen Tages im Gedächtnis: Auf dem Weg durch das Unterholz begegnete ich - wohlgemerkt in sicherer Entfernung - meinem ersten kroatischen Schwarzbären und die Forststraße unterhalb des Trails um Alino Bilo bietet eine wunderbare Aussicht auf den darunter liegenden Küstenstreifen. Eigentlich hatte ich beabsichtigt in einem alten Schulgebäude in Krivi Put, welches als Schutzhütte fungiert, zu nächtigen, doch der Blick von der Forststraße überzeugt und meine müden Beine lassen mich kurz vor Krivi Put mein Zelt aufschlagen - tolle Aussicht inklusive. 

 

Tag 10 - Krivi Put bis Zengg // ca 17 km

Der kürzeste Wandertag seit langem und mein Körper freut sich bereits auf die Verschnaufpause. Statt dem Via Dinarica von Krivi Put bis nach Vratnik zu folgen und dort per Anhalter nach Zengg zu fahren beschließe ich einfach direkt nach Zengg zu laufen. In Serpentinen geht es knapp drei Stunden lang bergab. Im Ort angekommen springe ich direkt neben dem Hafen ins Meer - schließlich haben wir heute 32 Grad und das lange Laufen auf asphaltierten Straßen hat nicht zur Kühlung beigetragen. Anschließend begrüße ich meinen Wanderfreund Jürgen, der mit dem Bus nach Zengg gekommen ist, um mich ab sofort zu begleiten. Eine Abkühlung im Meer, anschließend Bier und gutes Essen sind genau das richtige für den heutigen Tag. 

Tag 11 - Zengg nach Otari // 18 km

Mit einem sehr großen Frühstück auf der Terrasse des gemieteten Apartments starten wir in den Tag. Dann werden die Rucksäcke gepackt und gegen elf Uhr machen wir uns an die Hauptstraße, um uns per Anhalter ins 15 km entfernte Vratnik mitnehmen zu lassen, von wo aus der Via Dinarica weiter in den Velebit führt. Wir haben Glück und gleich das zweite Auto hält an, um uns mitzunehmen. Die heutige Etappe startet gemächlich auf Feldwegen, bevor es rund um den Jadiceva Plan (1416m) typisch via-dinarisch ins Gestrüpp geht - denn der Trail ist dicht bewachsen. Auf der Bergspitze gibt's den am morgen vorbereiteten Couscous-Salat, die Sicht ist eher mässig. Anschließend führen Feldwege und ein paar Trampelpfade nach Oltari. Dort in einem älteren Gemäuer befindet sich eine Hütte, die allerdings verschlossen ist. Vor der Tür stehen Bänke, ein Waschbecken mit fließend Wasser ist frei zugänglich und so halten wir hier noch kurz, um uns zu versorgen und zu rasten. Etwa einen Kilometer später schlagen wir kurz vor dem Eingang zum Nationalpark in einem flachen Waldstück unsere Zelte auf, planen die nächsten zwei Tage grob vor und köcheln uns noch ein Süppchen. 

Tag 12 - Oltari bis Rossijevo Hut // 15 km

Geweckt werde ich getreu der Melitta Werbung vom Duft frisch gebrühten Kaffees. Es folgt ein längeres Frühstück, um 10 Uhr brechen wir schließlich auf. Nach einer Stunde erreichen wir den Nördlichen Velebit Nationalpark. Der Eintritt beträgt 30 Kuna, anschließend geht es auf dem 'Educational Trail' bis zur Hütte Zavizan. Einmal kurz gegenüber auf den Gipfel Vucjak (1645m) gestiegen, anschließend belohnen wir uns mit einem Radler (heißt praktischerweise auf Kroatisch genau so) auf der Hütte. Es geht noch auf den Gipfel Veliki Zavizan (1676m) und dann weiter auf dem Premuziceva Trail. Der 16 km lange Pfad überzeugt mit wunderbaren Aussichten, gut begehbaren Wegen und nicht so vielen Unterschieden in den Höhenmetern. Nach einiger Zeit kommen wir bei der Rossijevo Hütte an, einer Schutzhütte am Berg. Sie überzeugt von der Lage und ist einigermaßen sauber und so beschließen wir den Abend früher als geplant einzuläuten und anstatt weiterzuwandern Feuerholz für ein abendliches Lagerfeuer einzusammeln. Leider kommt zwei Stunden später noch eine Familie mit zwei kleinen Kindern vorbei und so haben wir die Hütte bzw. Nachtruhe doch nicht für uns. Ist aber auch irgendwie ganz nett! Im Endeffekt netter als die Eichhörnchen-Familie, die scheinbar im Dach haust und uns die ganze Nacht über mit ihren Futtertransporten wach hält. 

Tag 13 - Rossijevo Hut bis Skorpovac Hut //28 km

 

Die bis dato schönste Etappe beginnt etwas übermüdet bei Kaffee und Porridge am Tisch neben der Hütte. Es geht weiter auf dem Premuziceva staza durch die Felsenlandschaft und entlang ein paar netter Berggipfel, von denen wir einige spontan erklimmen. Der Weg ist ausgesprochen gut begehbar, nach einiger Zeit läuft man entlang des Kammes mit Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln. Um die Mittagszeit erreichen wir die Hütte Alan. Wie bei outdooractive beschrieben sind die Hüttenwirte eher lethargisch-unfreundlich und so machen wir uns nach einer kurzen Pause zum Wasser auffüllen und einem O-Saft direkt weiter auf in Richtung Süden. Der Weg bleibt gut begehbar, die Aussicht fantastisch. Wie im Flug vergeht der Tag, gegen 18 Uhr erreichen wir die Skorpovac Hütte. Sie ist verlassen, aber auf dem Gelände finden wir Wasser in einer Zisterne, Bänke, Stühle, Wäscheleine und tja vier wilde Pferde, die um uns herum grasen. Wir beschließen zu bleiben und schlagen unsere Zelte neben der Hütte auf.

 

Tag 14 - Skorpovac Hut bis Zdrilo Hut // 21 km

Um 7 Uhr werden wir aus den Federn gerissen - und zwar von einem mächtigen Gewitter. Schnell bauen wir ab und retten uns unter das Vordach der Hütte, wo wir erst einmal ausharren. Gegen zehn wird es langsam trockener und so brechen wir auf, weiter auf dem Premuziceva staza, dann mit kurzem Abstecher auf den Budakovo Brdo (1317 m), wo die Zelte getrocknet werden. Anschließend geht es weiter bis nach Baske Ostarije, wo wir auf eine warme Mahlzeit hoffen. Gott sei dank werden wir nicht enttäuscht: Das Hostel Ostarije begrüßt uns herzlich in seinem Biergarten, wo wir uns mit Radler, Cevapcici und gefüllten Paprika stärken (wie ich realisiere ist es für mich erst die vierte warme Mahlzeit in zwei Wochen). Mit vollen Bäuchen kugeln wir am späten Nachmittag weiter. Das Wetter ist immer noch mässig, der Wind spielt uns übel mit. Der Anstieg hinter dem Dorf ist schwer zu finden, da gerade eine Strasse mitten durch den Gebirgszug gebaut wird und niemand sich um gesägte Bäume und Laub zu kümmern scheint. Nach etwa drei Stunden erreichen wir die Hütte Zdrilo, die uns umhaut: Ein einfaches, super funktionales Design, Strom und fließend Wasser, Kamin, Fenster, Sitz- und Schlafbank. Kaum zu glauben, dass die Schutzhütte nicht belegt ist. Wir beschließen hier unser Lager aufzuschlagen und den Abend mit Kartenspielen am Panoramafenster ausklingen zu lassen.

Tag 15 - Zdrilo Hut nach Zadar // 14 km 

Die Nacht war erholsam. Wir frühstücken in der Schutzhütte, dann geht es zurück auf den Trail und etwa sieben Kilometer bis zu einer Abzweigung, die nach Lukovo Sugarje führt. Da wir die Dritte im Bunde, Johanna, in Zadar abholen wollen müssen wir die Bergkette verlassen und dieser Weg scheint uns machbar. Er ist für zwei Stunden ausgeschildert und die brauchen wir auch, denn der Trail ist äußerst steinig und führt direkt 1.100 Höhenmeter bergab. Um 12 Uhr soll ab Lukovo Sugarje ein Bus nach Zadar fahren, doch leider werden wir enttäuscht, denn kein Bus kommt. Also greifen wir auf die altbewährte Hitchhiking-Variante zurück. Es dauert mehr als eine Stunde, bis schließlich ein älterer kroatischer Mann (Ivan) für uns anhält. Im nächsten Dorf gibt er uns noch einen Eiskaffee aus, dann nimmt er für uns einen Abstecher nach Zadar in Kauf und bringt uns sogar bis vor die Tür unseres gebuchten Apartments kurz vor der Altstadt. Luxus! In Zadar angekommen wird gewaschen, geduscht und eingekauft, dann geht es zum Sightseeing und Abendessen in die Altstadt Zadars (sehr zu empfehlen). Spät abends stößt dann auch Johanna zu unserer Reisegruppe dazu und wir lassen den Abend gemütlich auf unserem Balkon mit Blick auf Stadt und Wasser ausklingen. 

Tag 16 - Zadar // Gospic bis Sugarska Duliba // 18 km 

Nach dem Frühstück und einem Abstecher zu dm (gibt es glücklicherweise in fast allen kroatischen Städten) laufen wir zum Busbahnhof, wo mittags ein Flixbus nach Gospic abfährt. Von dort aus wollen wir nach Brusane an der Straße entlang laufen und dann wieder in den Velebit auf dem Vía Dinarica anschließen. Die Kilometer an der asphaltierten Strasse ziehen sich, die Hitze macht den Weg anstrengend. In einem Lokal am Straßenrand machen wir eine Radler-Pause. Ab Brusane führt ein Trail in typisch 'balkanischer Weise' auf in die Berge - nämlich einfach stur geradeaus. Die ersten Kilometer sind noch relativ leicht begehbar, später wird der Anstieg steil, die letzten einhundert Meter müssen wir klettern. Anschließend laufen wir wortwörtlich der Sonne hinterher quer über die Bergkette. Pünktlich zum Sonnenuntergang stoßen wir auf die Via Dinarica (600 m vor der Hütte Sugarska Duliba). Wir schauen uns kurz den Sonnenuntergang an und gehen anschließen mit Stirnlampen bewaffnet die letzten 15 Minuten zur Schutzhütte weiter. Auch diese Hütte überrascht wieder, denn sie bietet nicht nur einen außergewöhnlichen Ausblick, sondern ist auch mit Strom, Wasser, Isomatten und moderner Baukonstruktion top ausgestattet.  

Tag 17 - Sugarska Duliba bis Tatekova Koliba Stap // 11 km

So schnell können wir diesen wunderbaren Ort nicht verlassen. Deshalb machen wir es uns vor einem der großen Panoramafenster bequem, wo wir nach dem Frühstück ein wenig lesen und Tagebuch führen. Mittags brechen wir auf. Es geht über die Kuppe des Veliki Stolac (1406m), dann den Gipfel quer über den Hang hinab (der Weg fehlt leider) und über die Old Road to Panos bis nach Jelova Ruja, die sich als leere Bruchbude herausstellt. Die Etappe ist eher unaufregend, am frühen Abend erreichen wir Tatekova Koliba Stap, eine von einem Verein geführte Schutzhütte. Es gibt eine Handpumpe (Achtung: Hier muss man Wasser vorab einfüllen, um sie zu betätigen), Tisch und Bänke und eine kleine Hütte mit etwa zehn Schlafplätzen. Die Hütte ist in einem wunderschönen Talkessel gelegen und wir entscheiden uns dafür neben der Hütte die Zelte aufzuschlagen, um die Aussicht zu genießen. 

Tag 18 - Tatekova Koliba Stap bis Nationalpark Paklenica // 15 km

Mitten in der Nacht müssen wir unsere Zelte abbauen und fliehen in die Hütte, denn ein Wind der übelsten Sorte droht die Zeltstangen zu brechen. Wir schlafen in der nach Räucherkammer stinkenden Hütte, sind aber wirklich froh darüber Schutz zu finden, denn am Morgen folgt noch ein ordentliches Gewitter. Erst gegen Mittag legen sich Wind und Regen, weswegen der Wandertag eher kurz ausfällt. Allerdings folgt eine extrem schöne Etappe. Zuerst erklimmen wir Teile des Stapina, eines Hinkelstein-förmigen Bergchens (im Hintergrund die Silhouette von Inseln im Meer) anschließend geht es durch Hochebenen und verlassene Dörfer, vorbei an wilden Pferden und Kräuterwiesen. An der Kirche  in G. Marasovici befindet sich eine Zisterne, wo wir unsere Wasserflaschen auffüllen. Der Fluss, mit welchem wir eigentlich fest gerechnet hatten, ist ausgetrocknet. Hinter dem Dorf beginnt der Wald und kurz darauf der Nationalpark, wo zelten strikt verboten ist. Erneut zieht ein böiger Wind auf und so verkriechen wir uns in eine Senke kurz vor Eingang in den Nationalpark. Der Abend klingt aus bei Salbeitee (während der Wanderung gepflückt), Haribo und illustrer Kartenspielrunde im Zweimannzelt.

Tag 19 - Eingang Nationalpark Paklenica bis Ramica Dvori // 11 km

Wir wachen in unserer dunklen Erdkuhle auf. Erst einmal gibt es Kaffee und Porridge, dann packen wir zusammen und machen uns auf über einen kleinen Pass in den Nationalpark. Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir die erste bewirtschaftete Hütte, wo wir pausieren. Wir entschliessen uns auf der bewirtschafteten Hütte Ramica Dvori zu nächtigen und heute einen ruhigeren Tag im Nationalpark zu verbringen. Wir machen noch einen zweistündigen Spaziergang entlang des Flusses und lassen uns dann am natürlichen Pool neben der Hütte Dom Paklenika nieder, wo wir uns auf den Luftmatratzen im kühlen Nass vergnügen, lesen und ein Radler am Wasser genießen. Abends gibt es dann gemeinsam die große Fleischplatte, Apfelstrudel und Bier bei guter Aussicht und ein paar Runden Kartenspiel, eine warme Dusche und eine geruhsame Nacht - denn den Schlafraum haben wir mal wieder für uns. 

Tag 20 - Nationalpark Paklenica bis Starigrad-Paklenica // 15 km

Heute bricht der letzte Tag für mich auf dieser Reise auf dem Vía Dinarica an. Wir stehen früh auf, um die 900 Höhenmeter zum Babin Kuk (1431m) zu meistern, noch bevor die Sonne zu hoch steht. Anschließend steige ich noch mit Jürgen auf den Liburnija (1705m), der sich als fortgeschrittene Kletterpartie herausstellt, Gott sei Dank aber auch ein paar Klettersteige bereithält. Hier verabschiede ich Jürgen, der weitere zwei Tage auf dem Via Dinarica unterwegs sein wird. Gegen Mittag komme ich wieder bei der Hütte an und nach einer großen Portion Spaghetti treten Johanna und ich den neun km langen Abstieg zur Bushaltestelle nach Starigrad-Paklenica an, einmal sozusagen quer durch die Schlucht und damit raus aus dem Gebirgszug. Wir erwischen den Bus um 17 Uhr nach Split und freuen uns auf ein paar Tage in der Stadt und am Meer, bevor es zurück in die Heimat geht.