Camino de Mallorca - Der GR 221

Vom 2. bis 7. März 2019 war ich auf dem Trockenmauerweg in den Sierra de Tramuntana auf Mallorca unterwegs. Dabei bin ich in fünf gemütlichen Etappen mit rund 90 km von Pollença bis nach Esporles gelaufen.

 

Insgesamt ist der GR 221 139 km lang und läuft vom Port d'Andratx bis nach Pollença. Der Fernwanderweg wurde vom mallorquinischen Inselrat initiiert und läuft durch das von der UNESCO zum Welterbe gekürte Gebirge der Serra de Tramuntana. Aufgrund der Trockensteinmauern am Weg wird der GR 221 auch ruta de la pedra sec (übersetzt Route der Trockensteinmauern) genannt.

 

Zwischen Deiá und Pollença ist der Weg durchgängig markiert, das restliche Wegenetz ist aufgrund privater Wegerechte nicht offiziell ausgebaut und daher nicht immer eindeutig zu finden. Der Weg ist in beide Richtungen laufbar und auch die Höhenmeter sind ähnlich, die Mehrheit läuft in Richtung Pollença. Zudem gibt es viele alternative Routen und Varianten, bei welchen man unterschiedliche Schwierigkeitsgrade wählen kann. Ich habe mich größtenteils an die gpx-Koordinaten von .... gehalten. Aus meiner Sicht bietet der Trockenmauerweg übrigens einen klasse Einstieg ins Fernwandern, denn die Etappen sind nicht zu hart und gut einteilbar, man findet regelmäßig Unterkünfte und Verpflegung ist auch kein Problem.

 

Zur Vorbereitung habe ich mir lediglich ein paar Informationen zu den Refugios zusammen gesammelt, die gpx-Daten heruntergeladen und - na klar den Rucksack gepackt und ab ging die Post. Am 1. März landete ich in Palma. Eigentlich war der Plan beim Intersport Kenia Outdoor in der Nähe des Busbahnhofs in Palma eine Gaskartusche zu kaufen, doch leider hatte ich den Feiertag (Dia de las Islas Baleares) verplant, weshalb Supermärkte wie Läden geschlossen blieben. Gott sei Dank fand ich im We Hostel Palma unter der Spüle in der Küche etwa 14 halbvolle Kartuschen, von denen ich mir eine mitnahm. 

 

Meine Etappen: 

  1. Pollença - Lluc 
  2. Lluc - Refugi de Tossal Verds 
  3. Refugi de Tossal Verds - Port de Sóller
  4. Port de Sóller - Deiá
  5. Deiá - Esporles

Tag 1 - Von Pollença zum Kloster Lluc

 

Früh am morgen geht es zum zentralen Busbahnhof von Palma de Mallorca mit dem Bus 340 nach Pollença. Dort führt mich mein erster Weg in den Supermarkt, wo ich meine Vorräte für die nächsten zwei Tage aufstocke. Anschließend geht die offizielle Wanderei los. Der Weg ist auf dieser Etappe zu jedem Zeitpunkt sehr gut ausgeschildert, sodass man bloss den Holzpfählen folgen muss. Zuerst geht es entlang der Straße MA-10, zugegebenermaßen ein eher enttäuschender Start. Dann geht es auf einem alten Pilgerweg über die nordöstlichen Ausläufer der Tramuntana auf den Puig Tomir, wobei leider Aussichtspunkte auf sich warten lassen. Viereinhalb Stunden brauche ich, um über 650 Höhenmeter und 240 m Abstieg das Kloster Lluc zu erreichen. Dort befindet sich hinter dem weitläufigen Parkplatz ein großer Campingplatz, auf dem man für einen Unkostenbeitrag von fünf Euro sein Zeltgestänge aufbauen darf. Aufgrund des Feiertags haben sich dort bereits zahlreiche spanische Familien mit ihren Großfamilien-Quechua-Hochburgen platziert, sodass von einem ruhigen Abend in den Bergen leider keine Rede sein kann. Ich mache das Beste draus und beobachte bei gutem Hauswein aus dem benachbarten Restaurant und einem spannenden Roman den Sonnenuntergang hinter den Bergen. 

 


Tag 2 - Vom Kloster Lluc zum Refugi de Tossals Verds

 

Heute geht es über rund 15 km jeweils 850 m hoch und wieder hinunter. Ich starte mit Porridge und Kaffee in den Tag, bevor ich mein noch vom Tau feuchtes Zelt zusammenräume, am Brunnen hinter dem Restaurant am Parkplatz Wasser abzapfe und loslaufe. Der Anstieg verläuft zuerst im Schatten der Bäume über einen gepflasterten Pfad, der sich in Serpentinen den Berg hoch schlängelt. Nach etwa 1,5 Stunden mache ich am Coll de ses Cases Neu meine erste Pause. Der Ausblick ist wunderschön, die Sonne scheint, der Himmel strahlt in einem satten blau und ich lege mein Zelt zum Trocknen in die Sonne. Danach geht es weiter zum Coll des Prat, dem mit 1205 m höchsten Inselpass. Der Passübergang ist von der Trockenmauer mit Mauerdurchlass durchzogen, zu beiden Seiten erstreckt sich ein eindrucksvolles Bergpanorama. Hier gönne ich mir erneut eine lange Pause in der Sonne, was sich später in einem kräftigen Sonnenbrand mit eindeutigem Sonnenbrillenabdruck rächen wird. Der anschließende Weg über Ses Cases Velles (707 m) bietet einen Abzweig mit Wahlmöglichkeit: Nach rechts geht es zum Font des Noguer am Cúber-Stausee, auf der linken Seite zum Refugi de Tossals Verds. Eigentlich hatte ich beabsichtigt am Staussee zu campen, doch die letzte Nacht war weniger erholsam und kälter als gedacht und so beschließe ich trotz fehlender Reservierung (welche im Internet überall als verpflichtend angepriesen wird) mein Glück beim Refugi zu versuchen. Das Glück ist auf meiner Seite und ich beende am frühen Nachmittag (reine Gehzeit war ca. 4,5 Stunden) meine Tagesetappe und quartiere mich für 14 Euro in einem der Zimmer der wildromantisch gelegenen Unterkunft ein.  


Tag 3 - Vom Refugi de Tossals Verds nach Port de Sóller 

 

Nach einer erholsamen Nacht im Refugi breche ich gegen 9 Uhr in Richtung Port de Sóller auf. Heute stehen insgesamt 23 km mit 590 m Auf- und 1.110 m Abstieg an. Die ersten km werde ich als die schönsten der heutigen Etappe im Kopf behalten, es geht entlang eines Taleinschnitts mit grandiosem Ausblick. An einer Stelle ist der Weg mit Eisenketten im Berg versehen, sodass man gesichert über den Felsvorsprung klettern kann; ansonsten erwarten einen keine großen Herausforderungen. Den höchsten Aufstieg bietet der Coll de sa Coma des Ases mit 903 m. Von hier aus geht es relativ steil bergab bis zum Stausee Cúber, anschließend um den See herum und dann am Refugi de Cúber vorbei entlang dem Torrent de l'Ofre und hinauf zum Coll de l'Ofre. Ab hier treffe ich viele Tageswanderer an, die von bzw. in Richtung Sóller auf dem restaurierten Pflasterweg durch die Schlucht von Es Barranc unterwegs sind. Diesen bewältige ich in Eile, denn eine innere Stimme überzeugt mich davon, schnellstmöglich ein kalorienreiches Mittagessen zu mir nehmen zu müssen. Gott sei Dank befindet sich gleich am Ortseingang von Biniaraix ein kleines aber feines Restaurant mit einer großzügigen Burger-Menükarte. Gestärkt breche ich gegen 14:30 auf und bahne mir meinen Weg durch Sóller. Vor dem Ortsausgang Richtung Port de Sóller stoppe ich noch kurz im Eroski, um mich für die nächsten Tage mit Snacks einzudecken, danach geht es über steinige Zufahrtsstraßen zum Hafen, wo ich mir eine Luxusnacht in einem feinen Hotel am Strand leiste.  


Tag 4 - Vom Port de Sóller nach Deiá

 

Die Nacht im Einzelzimmer tat gut, ebenso wie das üppige Frühstücksbuffet, welches ich natürlich maximal auskoste. Jetzt geht es erst einmal um die fast runde Hafenbucht herum und am Refugi de Muleta vorbei entlang uralter Olivenhaine, wo ich auf alte Bekannte aus dem Refugi de Tossals Verds treffe, mit denen es gemeinsam weitergeht. An dieser Stelle hat man die Wahl: Entweder man geht die offizielle Route entlang eines Pflasterwegs, der parallel zur Küste verläuft, oder man wählt die Alternativroute direkt an der Küste. Wir wählen den Küstenweg, was sich als Herausforderung herausstellt: Denn Erdrutsche und umgefallene Bäume machen die Route ungewollt zu einem ausgedehnten Ganzkörpertraining. Alles machbar, aber es scheint mir offensichtlich, dass der Weg weder offiziell gesichert wird noch für jeden Wanderer empfehlenswert sein kann. So wird die eigentlich kurze Strecke von Port de Sóller nach Deiá zu einem mehrstündigen Abenteuer, welches zwar mit tollen Aussichten belohnt, aber auch für den ein oder anderen Ratscher an Hand und Schienbein sorgt. Natürlich hat man sich das anschließende Bier (Mehrzahl) damit umso mehr verdient, welches stilgerecht auf einer Sonnenterasse in Deiá verzehrt wird. Ich beschließe meine heutige Etappe noch etwas auszuweiten und beginne mit dem Aufstieg zum Pla des Aritges (908 m), sodass ich insgesamt auf vier Stunden Wanderzeit und 16 km Gesamtstrecke komme. Mein Zelt schlage ich auf etwa 450 m Höhe auf. Leider versperren einige hohe Bäume die Aussicht auf das malerische Künstlerdorf, dafür bietet das Moosbett einen weichen und warmen Zeltuntergrund und die Feuerstelle ist auch bereits angelegt. 


Tag 5 - Von Deiá nach Esporles

 

Gut gelaunt geht es am frühen Morgen auf zum Aufstieg - immerhin habe ich schon die Hälfte hinter mir. Auf dem Kamm werde ich von heftigen Windböen erfasst, ein gemütliches Frühstück mit eindrucksvoller Aussicht fällt also aus. Der Blick vom Pla de Aritges ist trotzdem atemberaubend und wird mit zu meinen Highlights des GR221 zählen. Nach rund zwei Stunden komme ich in Valldemossa an, wo ich mir im Cafe vor der Reial Carteixa ein Thunfisch-Sandwich gönne und mich im Supermarkt mit Wasser eindecke. Zwei Wanderfreunde von gestern stoßen dazu und so geht es zu dritt über zwei kleinere Anstiege bis nach Esporles. Insgesamt lege ich so in rund vier Stunden 16,5 km zurück, bergauf und bergab geht es jeweils rund 1.000 m. In Esporles haben Meikel und Ben ein kleines rurales Haus gemietet, in welches ich eingeladen werde. Leider liegt es ein gutes Stück vom Stadtzentrum entfernt, sodass wir mangels Taxi jeweils noch einmal eine halbe Stunde zum Supermarkt bzw. Schlachter wie B äcker und wieder zurück benötigen, bevor wir uns ein gebührendes Festmahl zubereiten können. Steak, Salat, Kartoffeln, Oliven und Brot mit Alioli machen die zusätzlichen km aber in jedem Fall wieder wett und so verbringe ich meine vorerst letzte Nacht auf dem Trockenmauerweg frischgeduscht und mit vollen Magen in bester Gesellschaft.