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Alles rund um die amerikanische Post

Wie schicke ich wie, wann und zu welchen Preisen?

Zu Beginn der Planung erscheint das amerikanische Postsystem super komplex und verwirrend. Doch erst einmal vor Ort, ist es gar nicht so kompliziert. Am besten lädt man sich zuerst die Halfmile Trail Notes auf Handy und/oder in die Cloud herunter. Dort findet man alle Adressen der offiziellen Resupply-Strategien. Ansonsten kann man sich zusätzlich die Trail Angel List anschauen und ein paar Adressen notieren, denn auch einige Trail Angel bieten an, Pakete für Hiker anzunehmen (Vorteil: die Öffnungszeiten und die bessere Erreichbarkeit der Trail Angel; zudem wird in manchen kleineren Örtchen eine "Fee" erhoben, um Pakete in Shops abzuholen).

 

Wichtig ist immer, den Namen möglichst leserlich auf dem Paket zu platzieren (am besten auch mehrseitig). Zudem habe ich immer noch PCT-Hiker und meine ETA (Estimate time of arrival) hinzugefügt, wobei ich bei letzterer zur Sicherheit immer ein paar Tage mehr eingeplant habe, als ich wohl brauchen würde.

 

Die meisten Pakete können mit USPS, dem Pendant zur Deutschen Post, verschickt werden. Hierunter fallen die offiziellen Poststationen (General Delivery) und der Großteil der privaten Shops und Lodges. Viele Hiker lassen sich ihre Pakete "priority" mit der "Flatrate Box" Box zukommen (s. Bild, erhältlich in S, M und L; ab 13,95 Dollar ). Die Flatrate Box ermöglicht es, zu einem Festpreis so viel zu verschicken wie in die Box passt, wobei das Gewicht egal ist. Wie man allerdings auf dem Bild erkennen kann, sind diese Pakete nicht sonderlich groß und ich habe Essen für 5-6 Tage gerade so in die L-Box stopfen können, die stolze 18,95 Dollar kostet.

 

Meine Pakete waren nie sonderlich schwer (natürlich nicht, denn das Essen muss ich ja unterwegs mitschleppen), also habe ich beschlossen, dass sich die Flatrate-Boxen nicht sonderlich lohnen. Stattdessen haben wir als Gruppe begonnen, leere Kartons bei Shops und Supermärkten zu erfragen und diese dann genutzt bzw. die gelieferten Kartons von REI oder Backcountry zu verwenden. In JEDEM Fall war der größere Pappkarton vom Supermarkt günstiger als die Flatrate-Box von USPS. Sogar der hüfthohe Karton, in dem meine Eisaxt von REI geliefert wurde, kostete nur 10 Dollar im Versand. 

 

Was die Resupply-Strategie betrifft, so habe ich mir von amerikanischen Freunden nur zwei Pakete schicken lassen: Eins mit Schneeausrüstung für San Jacinto nach Idyllwild und eins mit dem restlichen Sierras-Zeug nach Kennedy Meadows. Für Sonora Pass und einige andere Sierras-Destinationen (je nach Schnee- und Wettersituation) empfehlen sich alternativ auch Zero Day Resupply oder Sonora Pass Resupply. Vorteil hier: Man kann sich vorab in der App oder mit einem Web-Account eine Liste mit Resupply-Items machen und diese dann nach Belieben zu sich auf den Trail schicken lassen. 

 

In Oregon und Washington haben wir unseren Resupply als Gruppe organisiert und jeweils in der erstgrößeren Stadt eingekauft (Ashland und Walmart in der Nähe von Packwood bei White Pass). Hier habe ich respektiv nur ca. 40 Dollar für jeweils 4 Pakete bezahlt, da wir immer ein Paket für drei Personen gemeinsam losgeschickt und uns somit die Kosten geteilt haben. 

 

Manche Shops und Resorts nehmen nur Fedex oder UPS an (steht alles bei Halfmile in den Resupply Notes); falls sich diese Orte vermeiden lassen, würde ich dazu raten. UPS und Fedex waren für mich immer teurer als USPS. und es war nicht immer einfach herauszufinden, von wo aus man diese Pakete abschicken konnte. Ausserdem kann man USPS-Pakete, die "priority" versandt wurden, beliebig oft neu verschicken, ohne dafür erneut zu bezahlen. Hier ist die einzige Bedingung: Das Paket darf nicht geöffnet worden sein. Diese Möglichkeit habe ich vielfach genutzt und ich kenne auch Einige, die dadurch ihre Ersatzausrüstung kostengünstig "mitgeschickt" haben, sodass sie wenn nötig schnell darauf zugreifen konnten.  

 

Und hier noch ein paar Tipps, die ich anderen bezüglich Post und Resupply geben würde: 

 

1. Was spricht für USPS?

Wenn möglich immer USPS Priority als General Delivery verschicken, denn das Paket lässt sich online "tracken", kostenlos wiederverschicken und ist die kostengünstigste Alternative, sofern man keine außerordentlich schweren Gegenstände verschickt. Außerdem kann man die Poststellen eigentlich immer relativ gut per Telefon erreichen und die Mitarbeiter waren zumindest mir gegenüber immer extrem hilfreich und zuvorkommend. 

 

2. Flatrate oder lieber nicht?

Nur in Ausnahmefällen die USPS Flatrate-Boxen nutzen und immer erst versuchen, einen Karton gratis im Supermarkt oder von anderen zu erwerben, bzw. die Kartons eigener Zusendungen (REI, Amazon und co.) wieder zu benutzen. 

 

3. Wohin verschicke ich?

Bei Versand an Poststellen auf die Öffnungszeiten der jeweiligen Poststelle achten; Bei Versand an Shops und Resorts darauf achten, ob eine "Fee" zum Abholen des Pakets erhoben wird (diese beträgt immerhin zwischen 5 und 60 Dollar!). Ist dies der Fall, dann am besten nach alternativen Adressen, z.B. Versandoptionen zu Trail Angeln, herausfinden oder Gear Shops in der jeweiligen Stadt anrufen, um nach einem Versand dorthin zu fragen. 

 

4. Wann verschicke ich?

Pakete aus Deutschland dauern laut Aussage der Deutschen Post zwei bis drei Wochen. Hier sollte man lieber mehr als weniger Zeit einplanen, gerade bei Orten am PCT, die etwas entlegener sind. Der Versand von USPS innerhalb eines Staates erfolgt relativ schnell, meist habe ich mit fünf Tagen gerechnet. Im Endeffekt ist meine Erfahrung: Lieber früher als später versenden und die ETA großzügig berechnen. 

 

5. Zu welchen Destinationen schicke ich?

Aus meiner Sicht benötigt man bis Kennedy Meadows höchstens ein bis zwei Pakete. Zumindest bis Wrightwood waren die Hikerboxen unendlich voll, da keiner so richtig einschätzen konnte, wie viel er benötigt und sich jeder (gerade die Amis) im Zweifelsfall zu viel geschickt hat. Alles, was man darüber hinaus benötigt, findet sich auch in den kleineren Orten wie Mount Laguna oder Warner Springs, da die Menschen vor Ort jahrelange Erfahrung mit Thruhikern aufweisen. Wie oft man in den Sierras Pakete benötigt, hängt wohl von den Wetterverhältnissen ab. Hier würde ich als NOBO erst zwei Wochen vor Kennedy Meadows mit der Planung beginnen. In Oregon und Washington gibt es weniger Städte. Hier dienen Shops, Resorts und Zeltplätze als Resupply-Orte und aus meiner Sicht lohnt es sich, zu Beginn der jeweiligen Sektion Pakete zu verschicken.

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