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FAQs zum Thema PCT

Pacific Crest Trail: Häufige Fragen vorab

Bevor man ein so großes Projekt startet, stehen natürlich viele Fragen im Raum: Wie viel kostet so eine Reise? Welche Versicherung brauche ich? Und wie viel Zeit brauche ich eigentlich für die Planung? Die häufigsten Fragen, die mir bereits begegnet sind oder die ich mir auch einmal selbst während der Planung gestellt habe, habe ich im Folgenden einmal runter geschrieben und beantwortet. 

 

Wie viel kostet ein Thruhike?

 

Es ist wirklich schwer, die Kosten für einen Thruhike im Voraus zu bestimmen. Die Faustformel: 1) Es ist immer teurer und 2) als man denkt! trifft es wohl ganz gut. Ich habe Amerikaner getroffen, die es mit 2.000 Dollar insgesamt geschafft haben, den Trail zu beenden. Als Europäer ist es wohl grundsätzlich teurer, einfach weil so viele "Vorbereitungskosten" dazukommen. In meinem Fall kam auch dazu, dass ich mir die komplette Ausrüstung kaufen musste. Hier mal ein paar fixe Kosten:

  • Krankenversicherung für 6 Monate in Amerika über envivas: 600 Euro
  • Visum für 6 Monate für Amerika: 160 Euro
  • Hinflug Berlin-Los Angeles und Rückflug Seattle-Hamburg: 450 Euro
  • Ausrüstungskauf vorab (Aufschlüsselung schicke ich gern auf Anfrage): 1400 Euro 
  • Ausrüstungskauf auf dem Trail: 600 Dollar  

 

Im Endeffekt habe ich wohl mit allem Drum und Dran zwischen 6.000 und 7.000 Euro ausgegeben. Hierzu muss man sagen, dass ich zwar auf mein Geld geachtet habe und mir z.B. immer Hotelzimmer mit mehreren Leuten geteilt habe und auch nicht luxuriös Essen war, aber ich mir auch des Öfteren mal etwas gegönnt habe und es mir in den Städten auch wirklich gut habe gehen lassen.  

 

Das meiste Geld habe ich tatsächlich in Kalifornien gelassen. Dort gibt es nicht nur die meisten Städte. Gleichzeitig benötigt man zu Beginn des Trails auch noch öfter Auszeiten (Zero Days), zudem passt man seine Ausrüstung noch einmal an und bereitet sich auf die Sierras vor. Oregon und Washington waren relativ günstig. Ich habe zum Beispiel für den gesamten Resupply in beiden Städten nur jeweils 90 Dollar ausgegeben. Da es im Norden auch fast nur Resorts oder Campingplätze gibt, in denen man pausieren kann, sind die Ausgabemöglichkeiten gering. Dazu kommt, dass im Gegensatz zu Kalifornien Essen nicht noch einmal besteuert wird. 

 

Apropos: Wer bei einem Trailangel übernachtet, sollte im Hinterkopf behalten, dass bei einem Aufenthalt inkl. Verpflegung und Dusche sowie evtl. einer Fahrt eine Spende von rund 20 Dollar angemessen ist.  

 

Was muss ich alles vorab organisieren?

 

Am Wichtigsten ist es, eine Permit für den PCT zu erhalten. Diese werden in der Regeln zwei Mal jährlich von der PCTA ausgegeben. Ein Tipp: Gemeinsam mit dem PCT Permit kann man für 20 Dollar ein Permit für Whitney Portal ergattern. Wer Whitney vom PCT aus besteigen will, braucht dieses Permit allerdings nicht, denn das Portal liegt auf der anderen Seite des Berges. Ich habe die Bestätigung meines Permits für den PCT übrigens innerhalb von einer Woche erhalten und danach konnte ich mich um die nächsten Schritte kümmern. 

 

Als Nächstes habe ich mich um mein Visum gekümmert. Für einen Thruhike sollte man sich am besten das sechsmonatige Visum der Kategorie B2 holen. Hier kann man lesen, wie es funktioniert. 

 

Mit dem Visum im Pass kann man dann die Erlaubnis anfragen, zu Fuß nach Kanada einzureisen. Die Bearbeitung des Antrags dauert leider immer etwas (durchschnittlich 8-10 Wochen), deswegen sollte man die Unterlagen nicht erst kurz vor der Grenze ausfüllen. Das Formular "“Application for Entry into Canada via the Pacific Crest Trail” findet ihr hier; einfach ausfüllen und mit Scan des Visums im Pass an die angegebene Email-Adresse senden!

 

Was fehlt noch? Achja diese super wichtige "California Campfire Permit" (nach der ich übrigens nie gefragt wurde). Einfach das zweiminütige "Lehrvideo" anschauen, ein paar Fragen beantworten und schon darf man in Kalifornien nach genannten Regeln zündeln. Das Permit findet ihr hier

 

Wie viel Zeit sollte ich für die Vorbereitung einplanen?

 

Die Vorbereitungszeit hängt ganz von Dir ab. Ich habe Menschen kennengelernt, die seit mehreren Jahren auf einen Thruhike hingearbeitet haben und sich mega gut darauf vorbereitet haben. Ich habe tatsächlich erst drei Wochen vor Abflug beschlossen, dass ich es wirklich machen werde. Natürlich war es mega stressig, sich in so kurzer Zeit noch die gesamte Ausrüstung zuzulegen und alles zu planen. Allerdings ist die Planung dann doch gar nicht so umfangreich, wie man denkt, denn das Meiste ergibt sich von ganz allein bzw. wenn man bereits unterwegs ist. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man alle Papiere rechtzeitig zusammen hat und weiß, wer sich während der Abwesenheit um Haus und Hof (Post und Rechnungen) kümmert. 

 

Brauche ich einen Handyvertrag?

 

Im Vorfeld gab es in den Facebook-Gruppen zum PCT oft rege Diskussionen zum Thema Handyvertrag. Ich glaube Verizon und at&t waren bei den meisten die Favoriten und haben auf dem Trail wohl auch den besten Empfang. Allerdings gibt es keine sinnvollen Prepaid-Karten oder ähnliches in den USA, somit muss man direkt monatlich 40 bis 50 Dollar für eine amerikanische Nummer bezahlen. Angesehen dessen, dass neun Stunden Zeitunterschied zwischen Freunden und Familie und dir auf dem Trail herrschen und dass man die meiste Zeit auf dem Trail sowieso keinen Empfang hat, habe ich mich gegen einen Vertrag entschieden. 

 

Ich habe ausschließlich in den Städten über WLAN kommuniziert und es gab insgesamt nur ein bis zwei Orte auf dem Trail, die wirklich über kein kostenloses WLAN verfügten. Ein paar Mal musste ich auch telefonieren, z.B. mit der amerikanischen Post oder mit REI. In diesem Fall habe ich mir immer ein Handy von amerikanischen Wanderfreunden geliehen, das war nie ein Problem.

 

Welche Apps sind unterwegs nützlich?

 

Das Handy ist aus meiner Sicht mit der wichtigste Ausrüstungsgegenstand auf dem Trail. Ich habe es multifunktional zur Navigation, als Kamera, für Musik und Hörbuch sowie als Tagebuch genutzt. Apps, die mir unterwegs geholfen haben und die ich immer wieder genutzt habe:

  • Halfmile's PCT
  • Guthook's PCT Guide 
  • Google Maps
  • Spotify
  • Audible
  • Konverter
  • Paypal
  • Google Fotos

Ultraleicht? Was ist das und wenn ja wie viel?

 

Ein Thema, an welchem man während der Vorbereitung nicht vorbei kommt, ist das Thema "Ultraleichtes Wandern/Trekking". Man spricht von ultraleicht, wenn das Basisgewicht (ohne Proviant und Wasser) unter 4,5 bis 5,5 Kilogramm liegt. Happyhiker oder UL Trekking können dazu mehr berichten. 

 

Ich werde immer wieder gefragt, was mein Basisgewicht war. Leider kann ich es nicht genau sagen, weil sich meine Ausrüstungszusammensetzung ständig geändert hat. Ich war aber wohl meistens mit ca. 8 bis 9 Kilogramm Basisgewicht unterwegs und damit nicht unbedingt ultraleicht, eher im Gegenteil, ich hatte zum Beispiel den schwersten Rucksack meiner Gruppe zu tragen.

 

Wie viele Zero Days sollte ich einplanen, wie viele Tage benötige ich?

 

Zu Beginn der Reise habe ich mir echt Sorgen um das Zeitmanagement gemacht. Da quält man sich von Tag zu Tag und möchte sich keine Pause gönnen, da man noch so viel vor sich hat. Ich glaube rückblickend allerdings, dass es besser ist, es gerade zu Anfang ein bisschen ruhiger angehen zu lassen. Ein bisschen Wunden lecken gehört dazu, außerdem hilft das, um sich neu zu motivieren. Gerade innerhalb der ersten drei Wochen geben übrigens die meisten Leute auf, wenn man es über diese Zeit hinweg schafft, hat man gute Chancen, den Trail zu beenden. 

 

Ich war insgesamt 153 Tage unterwegs, davon waren sicher mehr als zweieinhalb Wochen reiner Zeitvertreib ohne Wandern. Wir waren eine relativ relaxte Gruppe, die immer große Schwierigkeiten hatte, zurück zum Trail zu gelangen. Hinzu kommt, dass der Flip Flop uns zusätzlich ein paar Tage gekostet hat, denn die Distanzen alleine in Kalifornien sind nicht zu unterschätzen. Mein Rat also an alle zukünftigen Hiker: Geht es langsam an, gerade am Anfang sollte man genießen, im Notfall kann man später leicht ein paar Meilen wettmachen. 

 

Werde ich einsam sein? 

 

Ja und nein. Klar gibt es Momente, in denen man sich verloren vorkommen wird, vor allem weil die Natur so riesig und unendlich auf dich wirkt. Ich habe auch Menschen getroffen, die tatsächlich meinten, unterwegs total einsam zu sein. Ich kann mir das allerdings nicht so gut vorstellen, zumindest wenn man während der populären Zeiten (März bis Mai) Richtung Norden unterwegs ist. In diesem Jahr (2017) strömten knapp 50 Menschen pro Tag in Richtung Kanada, da gestaltete es sich richtig schwierig, einen ungestörten Zeltplatz zu finden. In Oregon und Washington löste sich das "Hiker-Knäuel" etwas, da alle Wanderer kreuz und quer verteilt waren und ihre eigene Thruhike-Strategie mit Rekordschnee zu verfolgen. Bis und selbst in Kennedy Meadows traf man allerdings immer um die 60-70 Leute an, die auch auf dem PCT unterwegs waren. 

 

Wie bereitet man sich mental und körperlich am Besten vor?

 

Ich glaube ja, dass man sich nicht groß vorbereiten brauch, aber ich sehe auch ein, dass das Typsache ist. Ich habe mich in meiner kurzen Vorbereitungszeit nochmal mit Themen wie Notfall-Versorgung, "Was-mache-ich-wenn-ich-einen-Bären-treffe-Fragen" und Ähnlichem beschäftigt. Zu wissen, wie ich in einzelnen Situationen reagieren könnte, hat mich etwas beruhigt. Im Endeffekt musste ich mein gefährliches Halbwissen Gott sei Dank nie anwenden. 

 

Auch körperlich war ich jetzt nicht wirklich vorbereitet. Ich bin einmal auf den Brocken hoch, um meine Schuhe zu testen, und das war's. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich grundsätzlich öfter bewege und schon den ein oder anderen Halbmarathon hinter mir hatte, bevor es losging. Ich würde daher auch behaupten, dass meine Grundfitness nicht schlecht war und zumindest die vieler amerikanischer Wanderfreunde überstieg. 

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