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Zurück in die Sierras

Über Kearsage Pass bis nach Bridgeport

Tag 129-132
Seattle und Roadtrip nach Bishop
Ganze zwei Tage faulenzen wir in Seattle. Es tut gut, mal gemeinsam etwas zu erleben, was nichts mit Wandern zu tun hat. Waehrend Kurt und Erich Kurt's Truck aus Randle holen, erkunde ich die Gegend und goenne mir ein paar gute Latte Macchiatos. Ansonsten gibt's ein bisschen Sightseeing und vor allem (und immer das Wichtigste) gutes Essen! Dann ist die Zeit des "Seele baumeln lassen"'s vorbei. Erst bringen wir Sparkle zum Flughafen, dann holen wir drei weitere Hiker aus Tacoma ab und gemeinsam geht es wieder zurueck in die Sierras. Ueber 18 Autostunden zehren ganz schoen an den Nerven. Gott sei Dank muss einer von uns immer hinten im so genannten Trunk mitfahren und ich melde mich freiwillig; denn liegend laesst sich eh viel besser Netflix schauen. 

Tag 133
Kearsage Trail
Nach einer wenig geruhsamen Nacht (wir haben es uns fast alle in Kurts Truck gemütlich gemacht) geht es am Morgen and große Um- und Einpacken. Danach erfolgt noch ein kurzer Abstecher zum lokalen Sportbedarfsladen, wo ich mir super schöne neue orthopädische Einlagen, die in etwa den gesamten Schuhpreis wieder spiegeln (muss halt leider sein, denn mein Linker Fuß ist immer noch nicht wieder in Ordnung). Als auch das erledigt ist geht es in Gruppen á zwei auf die lange Reise per Anhalter zurück zum Trailhead von Kearsage Pass. Am Nachmittag haben wir es alle bis dorthin geschafft (Gott sei dank ist Labour Day Weekend und es sind eine Menge Naturfreunde mit Autos unterwegs). Als wir Kearsage Pass erklimmen (von 9000 auf knapp 12000 Fuß) erkenne ich das Gelände kaum wieder: Als wir vor etwas mehr als zwei Monaten von hier aus den Trail verließen war alles schneebedeckt; mittlerweile entdeckt man kein einziges Schneefeld mehr. Nicht allzu spät kommen wir an der Kreuzung vom Kearsage Trail zum PCT an; doch gerade noch rechtzeitig, denn in dem Moment, als ich in mein Zelt krieche, höre ich bereits das Donnern und ein starker Regen bricht herein, der bis spät in die Nacht andauern wird.

Tag 134
Meile 788-802
Ab jetzt lassen wir es langsam angehen: Nicht nur um die letzten Tage auf dem Trail optimal zu genießen, sondern auch weil wir Essen für acht Tage in den schweren und unpraktischen Bärenkanistern mit uns herumschleppen. Gleich am Morgen geht es über Glen’s Pass, danach runter ins Valley und entlang zahlreicher Seen. Die Füße bleiben den ganzen Tag nass, den bei den zahlreichen Flussüberquerungen wird der Schuhwechsel zur unnötigen Bürde. Wir sind übrigens nicht alleine unterwegs: Hier verläuft der PCT auf dem John Muir Trail (der durch die Sierras führt) und daher treffen wir ein Rekordhoch an Mehrtagesauaflüglern und JMTern. 

Tag 135
Meile 802-820
Es gibt doch nichts Besseres als einen gesunden Morgenanstieg, da wird man mal so richtig wach! Am frühen Vormittag erklimmen wir so Pinchot Pass, am Nachmittag schaffen wir mit Mather Pass sogar noch einen zweiten Pass an diesen Tag! Doch mein Highlight bleibt der Park Ranger, der mich nach ein paar Sätzen fragt, ob ich aus Australien komme. Ich fühle mich geschmeichelt, denn Aussie-Englisch ist immer noch tausend mal besser als Kartoffelenglisch! Und so wandere ich unbestimmt fröhlich weiter, bis wir am Palisade Lake unsere Camps aufschlagen.

Tag 136
Meile 820-838
Die ersten acht Meilen des Tages geht es gemütlich bergab; danach allerdings für zehn Meilen graduierlich aber stetig bergauf. Ich komme nur langsam voran und habe stark mit mir und dem schweren Rucksack zu kämpfen. Als dann auch noch ein Gewitter inklusive Regen und Hagel aufzieht denke ich nur noch eines: Bitte, lass mich endlich in der Hütte auf dem Muir Pass ankommen! Leider dauert der ganze Aufstieg dann doch noch länger als erwartet und ich bin mehr als erleichtert, als ich endlich in der Hütte eintreffe und es mir dort mit den Jungs bequem machen kann, bevor der nächste Sturm aufzieht.

Tag 137
Meile 838-858
Nach einer relativ ruhigen Nacht geht es geschwind bergab. Wir sind alle motiviert, es bis zum Abend vor die Muir Ranch zu schaffen. Dort, so munkelt man, gibt es die beste Hikerbox des gesamten Trails, da viele Tages- oder Wochenhiker sich hier ein extra Paket hinschicken. Bereits um 17 Uhr erreichen wir den angepeilten Campingplatz. Bei Nudelsuppe am Lagerfeuer klingt der Abend aus.

Tag 138
Meile 858-875
Um Punkt acht Uhr öffnet die Muir Ranch und ich bin natürlich bereits fünf vor acht vor Ort. Statt einer Hikerbox mit ein paar Snacks erwarten mich neun verschiedene Boxen, jeweils mit Snacks, Drinks, Toilettenartikeln, Ausrüstung, Erste Hilfe, Abendessen, Frühstück und derlei beschriftet. Ich freue mich wie Bolle und brauche zwei Stunden, um meine Essensvorräte auf den neuesten Stand zu bringen. Dann brechen Erich und ich auf, denn der Selden Pass steht uns bevor. Cougar Bait uns Corey wollen noch die Hot Springs auschecken und nachkommen. Am Nachmittag werde ich dann das erste Mal auf dem Trail überhaupt von Rangern nach meiner PCT-Wandererlaubnis gefragt (dachte schon das interessiert gar keinen mehr). Der Abend endet mit Lagerfeuer und einem ziemlich deliziösem vegetarischen Bohneneintopf, für den bestimmt jemand mal ziemlich viel Geld bezahlt hat.

Tag 139
Meile 875-894
Erich und ich haben zu zweit gezeltet, da die anderen uns nicht mehr eingeholt haben. Heute Morgen geht es daran, den Silver Pass zu meistern. Ich freue mich ein bisschen, dass ich so viele JMT (John Muir Trail) - Hiker überhole und am Hang einfach in den Schatten stelle; dies ist mir auf dem PCT bisher nicht so oft geglückt, da ich eher zu gemütlichem Schritttempo neige. Am Nachmittag rächt sich dann der relativ erfolgreiche Morgen und ich verliere mit jeder Meile mehr meine Motivation. Als dann auch noch ein Gewitter aufzieht beende ich den Tag früher als geplant. Gott sei dank hat Erich genau das gleiche gedacht und so schlagen wir am Purple Lake fix unsere Zelte auf, bevor der Regen hinab donnert.

Tag 140
Meile 894-905, Mammoth Lakes
Die 13 Meilen bis zum Red Meadows Campground gehen leicht von der Hand, denn es geht fast ausschließlich entlang der Bergketten bzw. bergab. Pünktlich zur Mittagszeit treffen Erich und ich in Red Meadows ein und genehmigen uns erst einmal einen Burger. Danach geht es per Anhalter nach Mammoth Lakes, wo wir uns wie in den guten alten Zeiten ein Motel-Zimmer nehmen. Die erste Dusche nach knapp zwei Wochen tut unglaublich gut, ebenso wie das Gefühl, frisch gewaschene Kleidung anzuziehen. Am Abend geht es mit der ganzen Sippe zur Bar, wo wir Ribbit treffen, die in Mammoth Lakes wohnt und mit uns vor zweieinhalb Monaten eine Woche lang durch die Sierras wanderte. 

Tag 141
Mammoth Lakes
Langsam geht es aus den Federn. Wir haben alle einen leichten Schädel und lassen es eher ruhig angehen. Ich verbringe den Vormittag in der Bücherei vor den PCs und erledige ein paar Sachen. Am Nachmittag lädt uns Ribbit zu sich ein und wir hängen zwei Stunden in ihrem Jacuzzi ab. Danach geht es gemeinsam mit ihren Mitbewohnern zur Happy Hour (Bier und Fisch-Tacos) gegenüber in die Kneipe. Am Abend bringt uns Ribbit dann netterweise auch noch zurück zum Red Meadows Campground. Alles in allem ein sehr gelungener Zero-Day!

Tag 142
Meile 905-922
Nach dem Frühstück am Red Meadows Campground geht es über die Devils-Postpile-Alternative zurück zum JMT. Wir haben uns entschlossen, die nächsten 17 Meilen lieber auf dem JMT statt auf dem PCT zu laufen, da die Route schöner sein soll. Der Trail führt auf und ab, entlang zahlreicher großer wie kleiner Seen und über ein paar kleinere Bergspitzen. 

Tag 143
Meile 922-943
Heute steht der letzte große Pass, Donohue Pass, an. Doch zuerst überqueren wir Island Pass, eine Anhöhe, die mit zahlreichen Blumenwiesen und Seen besticht. Den Nachmittag geht es dann entlang des Lyell Creek stetig bergab bis nach Tuolumne Meadows.Dieser Zeltplatz ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wochenendausflügler im Yosemite National Park und daher wundert es auch nicht, dass zahlreiche Wanderer meinen Weg kreuzen. Als ich in Tuolumne Meadows ankomme gönne ich mir einen Burger, danach suchen wir uns einen Zeltplatz und lassen den Abend bei Bier und Wein ausklingen.

Tag 144
Tuolumne Meadows, Meile 943-956
Den Morgen verbringen wir auf Bänken gegenüber dem Supermarkt, wo wir uns mit einer Gruppe weiterer Wanderer über den Trail unterhalten. Gegen 11 Uhr schaffen wir es dann endlich, uns zu motivieren und aufzubrechen. Es geht durch den Yosemite National Park und die Landschaft ist wirklich ziemlich schön. Leider fängt es am frühen Nachmittag an zu regnen und schon bald befinden wir uns in einem deftigen Gewitter. Wir beschließen, das Wandern lieber sein zu lassen und bauen bei der nächstbesten Gelegenheit unsere Zelte auf.

Tag 145
Meile 956-975
Es hat die ganze Nacht gestürmt und geregnet, deshalb muss ich am Morgen mehrmals anhalten, um meine Sachen zu trocknen. Am Nachmittag, als ich es endlich über Benson Pass geschafft habe, gönne ich mir eine ausgiebige Mittagspause mit Chili con carne und Milchkaffee. Am Abend schließe ich dann endlich zu Erich auf, der bereits halb dösend im Zelt liegt. Die anderen zwei müssen mal wieder früher aufgegeben haben, denn sie tauchen nicht mehr auf.

Tag 146
Meile 975-992
Es geht mal wieder auf und ab. Ich bin nur mäßig motiviert und gönne mir sehr oft eine Pause. Eigentlich wollen wir es bis zum nächsten Pass schaffen, aber eine riesige graue Wolke kommt von Norden aus herangerollt. Gerade als ich auf Erich treffe fallen die ersten Tropfen. Ich schaffe es noch rechtzeitig mein Zelt aufzubauen, bevor es so richtig auf uns niederbricht. Auch Kurt und Corey kommen angerannt und schlagen schnell ihre Zelte auf. Den restlichen Nachmittag verbringen wir zwangsweise im Zelt, denn das Unwetter hält bis spät in die Nacht an.

Tag 147
Meile 992-1010
Am Morgen muss ich mal wieder zweimal pausieren, um Schlafsack und Zelt zu trocknen. Der Trail verläuft entlang eines ausgedehnten Flusses und ist größtenteils überflutet, wodurch auch mein letztes trockenes Paar Socken dran glauben muss. Ab Mittag geht es langsam bergauf bis zum Emigrant Spaß. Von da aus heißt es entlang steiler Hänge auf luftiger Höhe weiter! Zeitweise habe ich das Gefühl, der Wind könnte mich vom Berg fegen und ich traue mich nur ab und zu stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen.

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