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Auf dem Weg durch Washington

Von Portland über Randle nach Cascade Locks und weiter bis White Pass

Tag 97-100
Portland
Nach einem weiteren ausgedehnten Frühstück in der Timberline Lodge geht es mit Erich via Shuttle und S-Bahn nach Portland. Ich bin krass aufgeregt, denn zum einen werde ich das erste Mal ein paar Tage ausserhalb des Trails verbringen, zum anderen sehe ich endlich meine Lieblingsmitbewohnerin Johanna wieder. Wir verbringen drei wunderbare Tage in einem supercoolen Airbnb in Portland, essen uns durch die internationale Küche, welche die Stadt zu bieten hat, streicheln Katzen im Katzencafe und wandern durch den Washington Park. Der Abschied fällt schwer, dennoch bin ich froh, mir die Zeit genommen zu haben. Als ich Johanna am Flughafen verabschiede, fährt meine Hikingcrew mit Truck vor, um mich mit nach Randle zu nehmen.

Tag 101-102
Randle
Randle liegt in Südwashington und ist der vorherige Wohnort von Cougar Bait. Er hat uns eingeladen, dort ein paar Tage zu entspannen. Wir schlafen in seinem Trailer, trinken eine Menge Bier im Jacuzzi und noch mehr auf einer kleinen Bootstour mit seinem Nachbarn. Am zweiten Abend verabschieden wir Bandit mit Steaks und Nudelsalat (sie wird für die amerikanische Nationalbank arbeiten und muss Mitte des Monats nach New York umziehen). 

Tag 103
Cascade Locks
Früh gehts hoch, erst wird im Trailer und im Waschraum Klarschiff gemacht, dann gibt es Frühstück. Vollgepackt bringt uns Ben ins zwei Stunden entfernte Cascade Locks, wo wir gegen Mittag eintreffen. Hier werden wir auch Erich einsammeln, der von Portland dazustösst. Doch irgendwie klappt die Kommunikation nur mäßig und als wir vom Freibier für Hiker in der nahegelegenen Brauerei hören, steht der Entschluss zu bleiben natürlich fest (außerdem müssen wir ja ein Gruppenbild auf der Brücke machen und das geht nur vollständig). Wir cowboycampen zu dritt auf einer kleinen Halbinsel zu den Füßen der Bridge of the Gods und beobachten vor dem Schlafengehen Seelöwen, die flussaufwärts streunern.

Tag 104
Meile 2144-2166
Nach dem obligatorischen Gruppenbild auf der Bridge of the Gods, bei dem Erich endlich wieder auf und stößt, geht es für mich alleine weiter (die Jungs kehren nochmal um und gönnen sich ein ausgiebiges Frühstück, bevor sie zu mir aufschließen). Es geht steil bergauf, was so gar nicht mein Fall ist. Ich spüre meine müden Füße und steifen Beine; es ist wirklich nicht einfach, nach einer so langen Pause wieder in Schwung zu kommen. Am Mittag dann noch die Nachricht, dass der PCT auf zwei Meilen gesperrt ist und wir einen Umweg nehmen müssen, der fast doppelt so lang ist. Ich bin froh, als wir nach 22 Meilen endlich die Zelte aufschlagen und um 20 Uhr in den Schlaf fallen.

Tag 105
Meile 2166- Goose Lake 
Wir sind mal wieder in eine Hitzewelle geraten. Ich schwitze bereits um 8 Uhr morgens und plane meine Pausen von Fluss zu Fluss. Am Nachmittag steht ein steiler Anstieg an und da wir alle nur mäßig motiviert sind steht bald der Beschluss, statt dem Trail lieber die weniger steile Straße entlang zu wandern. Dort treffen wir nach ein paar Meilen auf Tim, der uns dazu einlädt, im See mit ihm Regenbogenforellen Fischen zu gehen. Die Einladung nehmen wir liebend gern an und so geht es auf seinem Boot mit ihm, seiner Schwester und deren Tochter für ein paar Stunden hinaus auf den See. Die Fische beißen an wie verrückt und ich kann mich zum ersten Mal in meinem Leben dazu überwinden, selbst zu fischen und die Tiere vom Haken zu nehmen (Grosstadtkind halt). Spät am Abend kehren wir zu Tims Trailer zurück, wo wir die Fische filetieren und über dem offenen Feuer grillen.

Tag 106
Trout Lake - 2237
Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf sind wir drauf und dran zurück zum Trail zu kehren. Tim schlägt eine Abkürzung vor und so landen wir noch vor Mittag in Trout Lake. Auf Bänken im Schatten, die der lokale Lebensmittelladen netterweise für uns aufgestellt hat, machen wir Halt. Am frühen Nachmittag bringt uns Trailangel Doug dann zurück zum Trail und wir laufen noch etwa 10 Meilen, wobei der Weg rund um Mount Adams führt und uns eine tolle Aussicht liefert.

Tag 107
Meile 2237-2262
Am Morgen erwache ich mit Blick auf den Mount Adams - und verstopfter Nase aufgrund meiner Pollenallergie. Der Trail erstrahlt wortwörtlich in seiner vollen Blüte und es macht trotz juckender Augen Spaß entlang der bunten Blumenmeere zu stolzieren. Noch besser wird es am Nachmittag, denn Blaubeerbüsche und Erdbeerpflanzen säumen den Weg, was natürlich ausgenutzt wird (gibt es eigentlich den Fuchsbandwurm auch in Washington?). Am Abend werden über dem offenen Feuer Tortillas und Käse gebacken; schmeckt fast wie Quesadilla. 

Tag 108
Meile 2262-2283
Am Morgen wird erst einmal zwei Meilen bis zur nächsten Wasserquelle gerannt, da wir alle zu wenig eingeplant hatten. Dann geht es endlich in die Goat Rocks Wilderness, eine richtig coole Berglandschaft in ihrer vollen Blüte. Da Samstag ist und dieses Gebiet über Washington hinaus bekannt ist, sind viele Wochenendausflügler unterwegs und ich werde mehrmals von Neugierigen zum PCT ausgequetscht. Die Landschaft erinnert mich hier übrigens ein bisschen an Bayern und es fühlt sich seltsamerweise beinahe heimisch an, die Hügel auf und ab zu laufen. Leider ist die Sicht aufgrund mehrerer Waldbrände und dem damit entstandenen Smog nur eingeschränkt genießbar; trotzdem erkore ich diesen Tag zu einem der bis dato besten auf dem Trail.


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