· 

Im grünen Tunnel - Oregon Part ll

Durch die Wälder Oregons Richtung Washington

Tag 80+81
Ashland 
Aufgeregt, es endlich nach Ashland geschafft zu haben, laufen wir die paar Meilen bis zum Mount Ashland Campground. Glücklicherweise finden wir bald jemanden, der uns alle in die Stadt mitnimmt. Ashland ist wunderbar: Erst einmal gönnen wir uns einen Frühstücksburrito, ich mir dann ein Kleid im Second Hand Store, dann schauen wir uns die Parade zum vierten Juli an und checken im Motel ein. Nachdem wir alle frisch geduscht sind, geht es zur Eisdiele und später zum Koreaner. Xtratough und Mandy haben uns zu ihren Freunden, die in Ashland wohnen, eingeladen und so können wir das Feuerwerk anlässlich der Feierlichkeiten mit einem Bier in der Hand von deren Balkon aus genießen. Am nächsten Tag ist keiner von uns so richtig zu etwas zu gebrauchen (war dann doch mehr als ein Bier) und so entscheiden wir uns fürs Nichtstun. Unser Motelzimmer ist mit einer Küche ausgestattet und so habe ich endlich einmal die Chance etwas zu kochen; Mann wie ich das vermisse. Es gibt Spaghetti Bolognese im Garten der Anlage. Den Tag darauf heißt es dann aber wirklich mal auf auf! Richtig stressig wird es, als wir den gesamten Resupply für Oregon bei Safeway kaufen und dann feststellen, dass die Post bereits in zwei Stunden schließt. Gehetzt geht es mit fünf Tüten und zahlreichen Kartons sowie unseren Rucksäcken auf dem Rücken durch die Stadt. Fünf Kreuze, als dies endlich erledigt ist! Ein netter Mann, der uns in der Post anspricht, bringt Sparkle, Cougar Bait und mich zurück zum Trail (der Rest schaut noch einen Film im Kino und folgt später).

Tag 82
Meile 1716-1740
Am Morgen sind wir alle wieder beisammen und starten gemeinsam in den Tag. Am Vormittag finden wir heraus, dass es nur zwei Meilen entfernt vom Trail ein Restaurant gibt, das gratis Bier an Hiker verteilt und sehr gute Burger serviert. Nach dem Essen versuche ich, schnell zu verdauen, damit es weiter gehen kann. Ganz schön hart, richtiges Essen im Magen mit sich herumzuschleppen, da der Bauchgurt genau an den bösen Stellen. Gott sei dank ist der Hyatt Lake Campground nicht so weit entfernt. Dort erwartet uns nicht nur ein wunderbarer, gar nicht so kalter See, in den zumindest Bandit und ich hineinspringen, sondern auch warme (kostenlose) Duschen, Bänke und Toiletten. 

Tag 83
Meile 1740-1764
Weiter geht es durch den so genannten “Grünen Tunnel”. Die Natur wirkt irgendwie vertraut, nicht mehr so exotisch wie die Wüste und so atemberaubend wie die Sierras. Es geht auf und ab, ich bin leicht gelangweilt, was mehr Snackpausen mit sich bringt als ich normalerweise bräuchte und machen würde. Durch die ganze Snackerei vergesse ich total die erstmal letzte Wasserquelle zu nutzen und so freue ich mich umso mehr, als wir neben einer Straße auf Trail Magic Boxen mit Powerade und Soda treffen. Die letzten Meilen des Tages vergehen dank der Stärkung sehr schnell und pünktlich zur Hiker-Midnight (21 Uhr) liege ich eingemummelt im Schlafsack.

Tag 84
Meile 1764-1787 
Der grüne Tunnel zieht sich weiter. Doch heute sind wir nicht alleine unterwegs: Da Sonntag ist, treffen wir auf einige Tageswanderer (die Bewohner von und um Ashland scheinen sehr aktiv zu sein). Am Nachmittag entscheiden wir uns für einen kleinen Umweg, der uns zu einem einsamen See führt. Die Abkühlung tut gut, ebenso das Trocknen in der Sonne (dauert etwas länger, da keiner von uns ein Handtuch mit sich führt). Am späten Nachmittag geht es dann los mit den Mückenangriffen. Das Deet scheint die Viecher nicht wirklich abzuhalten und so rennen wir mehr oder weniger zum vereinbarten Treffpunkt, um dort so schnell wie möglich unsere Zelte aufzuschlagen und in ihnen Schutz zu suchen.

Tag 85
Meile 1787-1812
Durch die agressiven Mücken angetrieben beschließe ich, mich unüblicherweise mal als erste auf die Socken zu machen (normalerweise bin ich eher der undeutsche Schlendrian der Gruppe). Mit den Insekten um den Kopf macht es einfach keinen Spaß zu pausieren und so schaffe ich ganze 28 Meilen in relativ kurzer Zeit (davon 3 Meilen umsonst, da ich mich dummerweise verlaufe). Erschöpft aber glücklich falle ich in die Federn.

Tag 86
Meile 1812-18, Crater Lake
Wir schlafen aus (ca. 6:30 Uhr), denn wir haben nur sechs Meilen bis Crater Lake vor uns. Ich freue mich krass auf Dusche, WLAN und Waschmaschine, doch wir werden enttäuscht: Alles bis auf weiteres abgestellt. Stattdessen gönne ich mir daher ein ausgewogenes Frühstück im Touristenshop, bestehend aus Chips, einem halben Liter Milch und Eiscreme. Mittags geht es rüber ins Restaurant zu All you can eat Salat und Suppe.

Tag 89
Rim Trail, Meile 1837-1841
Mit der Bimmelbahn geht es hinauf zum Crater Lake. Dort erwarten uns Massen amerikanischer Touristen, doch sie scheinen eher von der faulen Sorte, die sich nicht die Mühe macht um den See zu laufen, sondern nur den Aussichtspunkt genießt. Wir besuchen erst das Informationszentrum, wo ich erfahre, dass Crater Lake der tiefste See der USA und der neunttiefste der Welt ist. Es handelt sich um einen Vulkan, der in sich zusammengefallen ist. Als wir anfangen, dem Rim Trail um den See zu folgen, bin ich wirklich beeindruckt von dessen Schönheit. Nach ein paar Meilen trifft der Trail wieder mit dem PCT zusammen und wir campen von Mücken umgeben auf einer kleinen Lichtung.

Tag 90
Meile 1841-1867
Die Mücken attackieren mich, sobald ich am Morgen aus meinem Zelt krieche; kann ja nur gut werden. Heute steht Mount Thielsen auf dem Plan. Nach den ersten paar Meilen geht es los mit dem Schnee. Schlimm ist es nicht, nur nervig, denn dauernd verliere ich die Fussstapfen und somit den Weg. Nach einer großen Portion Ramenbomb (Yumyum mit Kartoffelpüree) geht es auf zum höchsten Punkt des PCT in Oregon und Washington (7500 Fuß). Nach den Sierras ist dies natürlich ein Kinderspiel. Die letzten Stunden des Tages geht es bergab - und ich werde von rund 100 Mücken begleitet, die um meinen Kopf schwirren. Mann bin ich froh, wenn diese Viecher mich nicht mehr begleiten, denn so machen selbst die Abende keinen Spaß mehr, da sich jeder sofort ins Zelt verzieht.

Tag 91
Meile 1867-1875, Oregon Skyline Trail
Nach einer Stunde heißt es erstmal Wasser holen - und zwar über eine halbe Meile off Trail. Mega anstrengend; Gott sei dank vergehen die nächsten Meilen dafür wie im Flug. Als wir eine Pause machen, hören wir von anderen Hikern vom Oregon Skyline Trail, der zwar acht Meilen vom PCT kürzt, dafür aber entlang des Crescent Lake führt. Am frühen Nachmittag gelangen wir nach einer kurzen Irrfahrt dann auch am kühlen Nass. Wirklich ein ziemlich nicer See - und als ein Pärchen uns ein kühles Bier anbietet ist der Tag gerettet. Erst am späten Nachmittag können wir uns wieder aufraffen, um in dieser waldig trockenen und ganz ohne Aussicht auskommenden Wildnis noch ein paar Meilen hinter uns zu bringen.

Tag 92
Oregon Skyline Trail, Shelter Cove
Die morgendliche Wanderung vergeht wie im Flug und schon bald erreichen wir den Campingplatz Shelter Cove. Dieser ist direkt am See gelegen und winkt mit kleinem Supermarkt, Restaurant, Dusche und “Hikerecke”. Den Rest des Tages verbringen wir faul am See. Am Abend gibt es ein gemeinsames Lagerfeuer mit s’mores und Limonade und ein Pärchen lädt uns auf Ihren Campingplatz für die Nacht ein.

Tag 93
Shelter Cove, 1904-1912
Eigentlich war der Plan, den Campingplatz in der Frühe zu verlassen, doch wir entscheiden uns um und mieten für den Vormittag ein Boot, um den See zu erkunden. Eine schöne Erfahrung, als Gruppe mal etwas anderes zu machen als essen, wandern oder schlafen. Am Nachmittag raffen wir uns dann endlich auf. Doch wir kommen nicht so weit wie geplant; nach einigen Meilen finden wir eine öffentliche Skihütte vor. Lange brauchen wir nicht zu überlegen; wir bleiben dort, spielen bei Kaminfeuer und Snacks Karten und schlafen auf unseren Isomatten auf dem Boden der Hütte (Gott sei dank scheinen die Mäuse zu ängstlich, um uns groß zu stören). 

Tag 94
Meile 1912-1939
Der Trail erstreckt sich entlang zahlreicher Seen. Die Mücken machen geruhsame Pausen beinahe ungenießbar und so entscheiden wir uns für die Alternative: Immer weiter gehen. Erst nach 17 Meilen gönnen wir uns eine Mittagspause an einem der Seen. Nach weiteren 10 Meilen finden wir einen geeigneten Campspot für die Nacht. 

Tag 95
Meile 1939-1963
Nach einer längeren Nacht (wir kommen erst gegen halb sieben aus den Federn) starten wir in den Tag. Der Trail scheint relativ unspektakulär; es geht auf und ab durch mückenreiche Wälder, die von kleinen Seen durchzogen sind. Am Mittag gibt es die Möglichkeit, zum Elk Lake Resort zu wandern. Bandit, Cougar Bait und ich entscheiden uns dafür. Ich feiere heute Dreimonatiges auf dem PCT und feiere dies mit einer Cola Light und 3! Eis am Ufer des Elk Lake. Am Nachmittag erreichen wir die Three Sisters Wilderness und die überrascht dann doch noch mit ein paar spektakulären Aussichten. Nachdem wir uns entlang schneebedeckter Gipfel gekämpft haben suchen wir uns einen Campspot mit Aussicht auf zwei nebeneinanderliegenden Gipfeln für die Nacht.

Tag 96
Meile 1963-1981
Als wir erwachen kommt erstmal die Unlust hoch: Schlafsack, Zelt und Rucksack sind schwer und nass von Tau und Feuchtigkeit, die Schuhe gefroren. Naja, hilft alles nichts und so machen wir uns nichtsdestotrotz nach einem kleinen Frühstück auf. Noch haben wir nicht beschlossen, ob wir nach 18 Meilen in die Stadt Sisters trampen wollen oder die 31 Meilen bis zum Big Lake Youth Camp wandern wollen, wo unser nächster Resupply uns erwartet. Die Landschaft auf diesen Meilen ist atemberaubend; es geht an einem Wasserfall entlang, um einen Lavasteinberg, dann auf Schnee über weite Flächen, danach wieder über ein paar Hügel. Ich bin eigentlich fest entschlossen, die 31 Meilen zu knacken und liege auch gut in der Zeit, doch es ist Bandits Geburtstag und sie schlägt vor, in Sisters gemeinsam Pizza essen zu gehen. Dagegen kann man nichts einwenden und so lassen wir uns am Highway von ihrem Collegefreund abholen und fahren alle in die Stadt. Später am Nachmittag trampen wir dann zurück zum Camp, holen unsere Boxen, duschen und schlagen dann außerhalb des christlichen Kindercamps im Wald unsere Zelte auf.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0