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Raus aus Kalifornien - Endlich in Oregon

Die Grenzüberschreitung nach Oregon

Tag 70
Meile 1504-1529
Am Morgen erfolgt erst einmal ein krasser, meilenlanger Anstieg. Die Hitze macht uns allen zu schaffen (ja, nachdem wir dem Schneehoch entkommen sind, quält uns nun ein Hitzehoch). Ich versuche mich mit Audiobooks abzulenken. Am Nachmittag eine nette Überraschung: Ein ehemaliger Thruhiker, der gerade beschlossen hat aufzuhören, überrascht uns mit Trailmagic an einer Straßenkreuzung. Der Zucker der Cola motiviert. Bevor es dunkel wird erreichen wir den Porcupine Lake, neben welchem wir unsere Zelte aufschlagen und ein kurzes Bad nehmen; zum Schwimmen ist mir das zu kalt (muss Vererbung sein).
Tag 71
Meile 1528-1553
An zahlreichen Seen geht es entlang der Berge. Die Bäume spenden genügend Schatten, sodass sich die Hitze in Grenzen hält. Es geht bergauf und -ab. Ganze 25 Meilen legen wir heute zurück - bisheriger Rekord. Als ich ankomme haben Sparkle und Kurt bereits ein Feuer gemacht. Während wir kochen nähert sich ein Reh, welches sich besonders für uns zu interessieren scheint und ein paar Minuten mit uns abhängt, bevor es wieder im Wald verschwindet.
Tag 72
Meile 1553-1576
Früh am Morgen quäle ich mich aus dem Bett, die ersten zwei Meilen lege ich im Dunkeln zurück. Die Meilen vergehen entgegen dem gestrigen Tag wie im Flug, es geht auf und ab, zwischendurch lockt immer eine schöne Aussicht zum Pausieren. Noch vor einer Woche war dieser Abschnitt aufgrund von Schnee unpassierbar und lebensgefährlich, doch die Sonne hat die weißen Flächen in Rekordzeit weggeschmolzen. Nur vereinzelnd müssen wir daher heute Schneefelder passieren. 
Tag 73
Meile 1576-1597, Etna 
Ohne große Pausen geht es den Trail entlang. Dieser führt auf und ab, erst schneefrei, später schneebedeckt. Die ersten Flächen schaffe ich ohne große Mühen, bei der letzten rutschte ich aufgrund einer Kombination aus Müdigkeit, schlaffen Beinen und rutschigem Schnee 10 Meter tief und stoße mich an einem Baum. Aua - aber nichts weiter Schlimmes passiert! Die letzten Meilen schleppe ich mich voran, nur um danach geschlagene 50 Minuten auf ein Auto zu warten, welches mich ins 10 Meilen entfernte Etna bringt. Als ich dort endlich eintreffe bin ich froh, altbekannte Gesichter zu sehen (Notyet und Stretch). Beim gemeinsamen Burgeressen treffen wir auf Mandy und Xtratough; seit Langem mal wieder die erste Mädchenrunde. Campen dürfen wir im anliegenden Park, wo ich auch auf meine Boys treffe. 
Tag 74
Meile 1597-1617
Ich verlasse früh am Morgen die Stadt auf der Ladefläche eines Trucks. Da ich mich entschieden habe, ein paar Tage alleine unterwegs zu sein, werde ich erst wieder in Seiad Valley auf den Rest der Truppe treffen. Die ersten Meilen verlaufen gut, doch dann treffe ich auf viel Schnee und die Meilen gehen nur langsam voran. Dann mache ich auch noch den Fehler und laufe den alten Trail entlang, der über ein riesiges schneebedecktes Ridge führt. Fussstapfen-drückend kämpfe ich mich Meter für Meter voran - für nur 3,5 Meilen brauche ich Stunden. Erst um 22 Uhr erreiche ich den angedachten Campingplatz. Zu erschöpft zum Abendessen falle ich direkt ins Zelt und schlafe sofort ein.
Tag 75
Meile 1617-1642
Am Morgen merke ich noch die schweren Beine vom Vortag - doch es hilft nichts. Ich lenke mich dauerhaft mit Musik ab und möchte kotzen, als ich wiederholt auf riesige Schneefelder treffe. Doch heute sind diese Gott sei dank weniger steil und so komme ich besser voran als am Vortag. Die Mittagspause genieße ich am Ufer des Paradise Lake mit kalter Yumyumtütensuppe und Thunfisch (klingt eklig, ist aber okay). Am Nachmittag geht es dann bergab durch ein ehemals von einem Waldbrand zerstörtes Gebiet. Statt Bäumen sprießen hier Farne und andere Pflanzen aus dem Boden, der Trail ist fast nicht erkennbar und ich laufe ständig durch Spinnweben. Doch alles ist besser als der Schnee und so kämpfe ich mich trotz zahlreicher Ratscher an Bein und Armen bis zum Fluss voran.
Tag 76
Meile 1642-1654, Seiad Valley 
Mit den Gedanken an Frühstück quäle ich mich früh um vier Uhr aus den Federn. Schneller als erwartet lege ich die verbleibenden zwölf Meilen zurück und schon sitze ich zwischen Mandy und Xtratough im Café und bestelle “Einmal die Pancake-Challenge”. Die Größe der Pfannkuchen überwältigt mich, trotzdem gehe ich noch fest davon aus, dass ich zumindest drei der fünf Riesenteigfladen vernichten kann (dafür habe ich zwei Stunden Zeit, so die Regeln). Am Ende kann ich mich nach eineinhalb Pancakes zu keinem weiteren Bissen mehr durchringen. Den Tag verbringe ich mehr oder weniger Verdauend und am späten Nachmittag trifft der Rest der Gruppe ein. Vereint und dankbar für Dusche und frische Wäsche versammeln wir uns, um im dreckigen Versammlungsraum des Campingplatzes gemeinsam einen Film zu schauen.
Tag 77
Meile 1654-1678
Nach dem Frühstück geht es die Straße entlang den Berg hoch. Da der Trail 4000 Fuß ansteigt, entscheiden wir uns für den Waldweg. Ein freundlicher alter Herr nimmt uns auf seinem fahrbaren Untersatz mit, sodass wir schneller als erwartet die Spitze erreichen. Danach quälen wir uns voran - die heisse Sonne im Rücken. Meine neuen Schuhe und die neuen Schultergurte, die ich mir nach Seiad Valley habe liefern lassen, machen das Wandern etwas angenehmer. Abends lassen wir den Tag mit einem gemütlichen Feuer ausklingen.
Tag 78
Meile 1678-1701
Der Morgen beginnt mit einem Highlight: Da wir ein paar Schneeflächen vermeiden wollen folgen wir dem Waldweg; leider dem Falschen, wodurch Alexa und ich ganze 4 Meilen extra laufen dürfen um zurück zum Trail zu gelangen. Ein super Start in den Tag! Immerhin erreichen wir mittags die Grenze zwischen Californien und Oregon. Endlich, endlich, endlich verlassen wir diesen Staat, der sich scheinbar endlos langgezogen hat. Ich freue mich auf die grünen Wälder und auf Ashland. Den Nachmittag über wechseln wir immer wieder von Straße zu Trail und zurück, um den Schnee zu meiden. 
Tag 79
Meile 1701-1710
Mit der Vorfreude auf die heute anstehenden Feierlichkeiten (es ist der vierte Juli) laufen wir Richtung Ashland. Gott sei Dank sind viele Dayhiker unterwegs und so schaffen wir es tatsächlich noch vor 10 Uhr morgens nach Ashland. Nach einem Frühstücksburrito gehe ich in den nächsten Secondhand-Store, wo ich mir zu Feier des Tages ein Kleidchen gönne. Fühlt sich gut an, mal wieder in femininer Alltagsmode durch die Straßen zu laufen. Wir schauen uns die Parade an und am Abend bewundern wir das Feuerwerk auf dem Balkon von Xtratoughs Freunden, die hier studieren und uns in ihr Apartment eingeladen haben.

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