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Nordkalifornien - Von Old Station bis Mt Shasta

Die Sierras für's Erste geskipped - dafür geht es wieder in die Hitze

Nachdem wir uns in Bishop ausgiebig untereinander, mit anderen und mit Rangern unterhalten haben, steht unser Entschluss fest: Wir skippen fürs Erste die Sierras und werden die Meilen im September nachholen. Gefühlt 90% der Thruhiker dieses Jahr sind nach Bishop erstmal ausgestiegen, um andere Sektionen zu wandern. Mehr als die Hälfte der Hiker haben es noch nicht einmal in den Bergen versucht, weswegen wir auf jeden Fall ein wenig stolz auf uns sind. Das Schneehoch (seit 1983 das krasseste Schneejahr) macht die Sierras jedoch noch schwieriger als in normalen Jahren und der schmelzende Schnee sorgt für reißende Flüsse. Die Schönheit der schneebedeckten Berge kann die Überquerung zahlreicher Flüsse und das stundenlange Postholing nicht ausgleichen - es macht einfach keinen Spass. 
Tag 60
Bishop
Wir beschließen, den Rest der Sierras im September zu bewältigen. Drei aus der Gruppe werden ausscheiden: Zwei gehen zurück in die Berge, die Dritte gibt auf. Ich nutze den freien Tag, um mein Gear auf Vordermann zu bringen und mich neben dem leider abgesperrten Pool ein wenig zu Sonnen und zu Lesen. Abends geht es noch einmal gemeinsam ins Kino und danach in eine der zwei Bars. 
Tag 61
Bishop - South Lake Tahoe 
Nach einem ausgiebigen Frühstück in der besten Bäckerei der Stadt erhalten wir den erlösenden Anruf: Wir kriegen einen Mietwagen, um Richtung Norden aufzubrechen. Das bedeutet echtes Glück, denn aufgrund der Schneesituation sind alle Leihwagen Richtung Norden unterwegs und keine Firma hat mehr verfügbare Wagen vor Ort. Der Roadtrip beginnt; echt mal nett, gemeinsam etwas anderes zu erleben. Nachmittags erreichen wir Lake Tahoe, wo wir uns einen gemütlichen Spot fernab der Touristen suchen, um zu campen. 
Tag 62
South Lake Tahoe - Old Station
Das Auto vollgepackt geht es am Morgen erstmal zum ausgiebigen amerikanischen (super kalorienreichen) Frühstück und danach zur Post, um unsere Wintersachen wegzuschicken. Am späten Nachmittag erreichen wir Old Station. Dort campen wir auf einem angelegenen Campground, wir garen Popcorn über dem offenen Feuer und gönnen uns Wein, Bier und Ramenbomb (Yumyum-Tütensuppe mit Kartoffelbreipulver).  
Tag 63
Meile 1371-1387
Der Tag beginnt spät. Jeder muss noch umpacken, denn unsere Wintersachen haben wir ja alle zur Post gebracht und den Bärenkanister auch. Um 10 Uhr brechen wir endlich auf. Nach 2 Meilen erfolgt bereits der erste Stop, denn die Subway Cave liegt direkt am Trail, so etwas darf man sich natürlich nicht entgehen lassen. Nach einem kurzen unterirdischem Rundgang geht es weiter. Die Hitze macht mir ganz schön zu schaffen (gerade hatte ich mich an die Kälte gewöhnt) und es sind wieder lange Tage (20 Meilen plus) geplant. Gott sei Dank sind alle der Meinung, dass der Temperaturwechsel, gepaart mit dem späten Start, nicht die allerbesten Voraussetzungen für diesen Tag bietet und so lassen wir es nach 16 Meilen für heute gut sein.
Tag 64
Meile 1387-1407
Früh geht es los. Die Sonne brennt auf unsere Köpfe, unsere Motivation ist mäßig. Jede Wasserquelle wird mitgenommen, mittags springen wir in den Fluss. Um drei Uhr erreichen wir das Tagesziel: Die Mountain Ranch. Das grosse, aus Holz geschnitzte Kreuz im Garten schreckt zuerst ein wenig ab, aber die wirklich sehr christliche Linda ist superlieb und heisst uns mit Erdbeereis willkommen. Wir duschen und springen in den Pool, nach dem Abendessen schauen wir ein paar Folgen New Girl. 
Tag 65
Meile 1407-1422
Nach einem späten Frühstück schaffen wir ganze zwei Meilen bis zu einer “automatischen Trailmagic-Station”. Dort gibt es neben Bank und Tischen, Sodas und Salzbrezeln kaltes Wasser und eine Kamera, um Erinnerungsfotos zu schießen. Acht Meilen weiter gelangen wir zum heutigen Highlight: Die Burney Falls. Die Wasserfälle sind übervölkert mit Touristen. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen im Schatten und gönnen uns erstmal ein Eis. Erst früh am Abend können wir uns wieder aufraffen um noch ein Paar Meilen hinter uns zu bringen.
Tag 66
Meile 1422-1445
Noch bevor die Sonne aufgeht quälen wir uns aus den Zelten. Ein langer Aufstieg steht bevor, der aufgrund fehlender Aussicht und heißer Temperaturen wenig Fun verspricht. Ist dann auch so: Wir quälen uns langsam den bewucherten Trail voran. Ich beschließe, am heutigen internationalen “Hike-naked-Day” teilzunehmen und ziehe für ein paar Meilen blank. Meine amerikanischen Mitstreiter sind da etwas prüder und geraten in Verlegenheit, freuen sich jedoch, dass zumindest einer aus der Gruppe sich traut.
Tag 67
Meile 1445-1455 + Detour 
Wir verschlafen erstmal kräftig und ärgern uns, als wir zwei Stunden später durch den matschigen Schnee des Gipfels krakeln müssen. Unerwarteterweise ein ziemlich harter Tag, denn heute begegnen uns Schnee, Matsch, Staub, Hitze, Kälte und dichtes Gestrüpp. Während der Mittagspause beschließen wir (auch da Mackenzie's Knöchel stark geschwollen ist) eine Detour über die Waldwege zu nehmen, um schneller in die Stadt zu gelangen. Wir wandern noch einige Meilen und campen dann auf einem kleinen Feld neben dem Waldweg.
Tag 68
8 Meilen
Die Meilen bringen wir schnell hinter uns, auch weil wir uns alle auf Dillan freuen, Mackenzies Freund, der uns vor einigen Wochen zwei Wochen lang begleitete und nun Mackenzie vom Trail abholt. Es gibt Trailmagic (Chips und Cola) und dann bringt er uns zum nächsten “Swimming Hole” (arschkaltes Wasserloch neben einem Fluss), wo wir den Nachmittag verbringen. Am Abend geht es dann dank Dillan nach Mount Shasta.

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