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Die erste Woche in den Sierras

Von Lone Pine über Mount Whitney nach Bishop

Tag 53
Lone Pine
Nach einer eher schlaflosen Nacht (6 Hiker in einem Dreibettzimmer) geht es zur besten Bäckerei der Stadt. Das kalorienreiche Frühstück sorgt für einen guten Start in den Morgen. Vier von uns fahren mit dem Bus in die nächste größere Stadt namens Bishop. Dort geht es in meinen bis dato Lieblingsladen auf dem Trail: Einem Second-Hand-Gearshop. Dort gönne ich mir eine Patagonia-Softshelljacke und ein neues Hikerhemd. Dann geht es noch zum Supermarkt und mit dem Bus wieder zurück nach Lone Pine. Den Tag lassen wir bei Bierchen (gekühlt im Bärenkanist er) im Jacuzzi mit Blick auf den Mount Whitney ausklingen. 

Tag 54
Detour, Meile 745-752 
Nach einem ausgedehnten Frühstück bei McDonalds geht es zurück zum Trail. Josh bringt uns mit seinem selbst gebauten Wohnmobil zurück und wandert sogar ein Stück mit uns. Heute haben wir nicht so viele Meilen vor uns, aber wir haben auch ein bisschen Zeit zum Eingewöhnen mit Microspikes und Eisaxt eingeplant. An einem leichten Anhang wird “Self-Rescuing” geübt. Die Nacht verbringen wir an einem Hang mit einer der bisher besten Aussichten und einem wunderschönen Sonnenuntergang.

Tag 55
Meile 752-767
Der Plan ist, um 4 Uhr morgens aufzustehen, um Postholing (das Sinken in Schneelöcher) zu vermeiden. Letztendlich schaffen wir halb 6 Uhr. Nach ein paar Stunden die bittere Erkenntnis: Wir haben erst 4 Meilen geschafft. Das wandern auf Schnee und in dieser Höhe ist dann doch etwas anderes als die relativ einfachen Strecken durch die Wüste. Mühsam kämpfen wir uns voran, zweimal werden die Füße bei Flussüberquerungen nass. Um 18 Uhr erreichen wir endlich unser Ziel. Wir campen eine Meile off Trail mit Blick auf den Mount Whitney, den höchsten Berg der (zusammenhängenden) USA. Dort wollen wir morgen früh um 2 Uhr rauf - mal schauen ob es klappt.

Tag 56
Mount Whitney (16 Meilen)
Wir schaffen es tatsächlich, vor 3 Uhr morgens aufzubrechen. Mit Stirnlampen und halb leeren Rucksäcken bewaffnet geht es los durch die Dunkelheit Richtung Berg. Den Sonnenaufgang geniessen wir schneebesteigend neben Guitar Lake. Nach fünfeinhalb Stunden erreichen wir die Spitze. Ich bin fix und alle, aber überglicklich, dass die gesamte Crew es gemeinsam hinaufgeschafft hat. Der Abstieg dauert nochmal genauso lang, denn der Schnee beginnt bereits zu schmelzen und man sinkt tief in die Löcher. Hundemüde aber glücklich erreichen wir das Camp. Ich verdrücke eine Yumyum-Tütensuppe und gefühlt ein halbes Kilo Käse und liege um sieben Uhr im Bett.

Tag 57
Meile 767-777
Der Tag beginnt nicht gut: Ich wache um 4 Uhr morgens auf, unsere Zelte sind mit Schnee bedeckt. Zudem läuft meine Nase ununterbrochen und meine Augen sind schneeblind und tränen in einer Tour. Wir fühlen uns alle, als ob wir bereits 20 Meilen gelaufen sind, als wir starten. Heute steht “nur” ein 10 Meilen-Tag an, allerdings müssen wir drei Flüsse überqueren. Gott sei Dank fällt keiner von uns ins kalte Wasser, allerdings macht es auch wenig Spaß, mit nassen Schuhen und Socken durch eiskalten Schnee zu laufen. 

Tag 58
Meile 777-787
Und wieder geht es früh los, denn heute steht die Überquerung des Forester Pass (+13.000 Fuß) an; eine Tour die mich bereits vor dem Trail ein bisschen bang gemacht hat. Um sechs Uhr morgen erreichen wir nach zwei Stunden Schnee stampfen endlich den Pass. Das Ding ist mächtig steil, langsam krakseln wir mit Microspikes und Eisaxt bewaffnet den steilen Hang hinauf. Ich traue mich noch nicht einmal hinab zu schauen, denn ein falscher Tritt ist hier wohl tötlich. Kurz vor der Spitze gilt es noch eine Schneetreppe zu überqueren, dann ist es endlich geschafft; ein berauschendes Gefühl. Ungestüm rutschen wir mehrere hundert Meter die Schneeberge auf der anderen Seite hinab: Mit dem Resultat, dass wir nach dieser Sektion 7 von 10 Regenhosen in die Tonne schmeissen können. 

Tag 59
Kearsage-Detour
Der vorerst letzte Tag in den Sierras bricht an. Wir brechen wieder früh auf, alle sind noch ziemlich k.o. vom letzten Tag. Für zwei Stunden geht es durch tiefen Schnee, danach den Pass in Serpentinen hinauf und am Hang entlang weiter durch das Tal. Um 9.30 Uhr gelangen wir zum Onion Valley Parkplatz. Jetzt heißt es warten bis einer der Day-Hikers uns gütigerweise mit in die Stadt nimmt. Das dauert dann doch mehr als drei Stunden. Der Tag wird dann später dank niederländischer Bäckerei und Rodeo doch noch gerettet - und ich bin heilfroh einmal mit trockenen Füßen ins Bett zu steigen.

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