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Die erste Woche auf dem Trumpelpfad

Die ersten 7 Tage mit nur einem BH

Tag 1

Meile 0-16

Schlangen : 1

Blasen : 4

 

Um 5.30 Uhr geht's los. Da gibt es nämlich bei Scout und Frodo Frühstück: Polenta, French Toast, Haferschleim, Erdbeeren und Ananas. Seit 2 Tagen habe ich hier mit ca. 30 anderen Hikern im Garten der beiden in San Diego genächtigt, umgepackt und mich vollgestopft.  Nun geht es endlich los, mit 24 anderen Hikern werden wir von freundlichen Trail Angels zum Startpunkt gefahren. Nach kurzer Fotosession laufen alle los.  Und das erste Opfer folgt zugleich: Bei Meile 1 hat sich die erste Hikerin das Bein gebrochen, die Feuerwehr rückt an. Geht ja gut los! Ich laufe mein Tempo und das Feld zieht sich auseinander. Die Landschaft ist atemberaubend: Wüste in ihrer vollen Blüte, Berge (zumindest aus meiner Sicht) soweit das Auge reicht. Nach Meile 16 entscheide ich mich für eine einsamen Campingplatz auf einem Anhang. Als ich die Schuhe ausziehe der erste Schreck: Blasen über Blasen,da waren die Schuhe wohl doch zu klein. Naja nach dem Abendbrot, einer Tüte Yumyum Chicken, geht's ins Bett ( es ist 19.30 Uhr). Rücken und Füße schmerzen - Gott sei dank hilft da der halbe Space Cookie, den mir netterweise meine Zeltgenossin in San Diego überließ.  Ciao Schmerzen!

 

Tag 2

Meile 16-36

Schlangen: 0

Blasen: 4

 

ÄH doch nicht Ciao. Die Dinger sind über Nacht gewachsen. Mist. Ich baue mein Zelt ab und laufe die ersten sieben Meilen bis zum Fluss. Nix geht mehr. Dann am Wasser kommt mir eine geniale Idee: Einfach mal auf guten Deutschen machen und die wunderhässlichen aber sehr sehr praktischen Wandersandalen über die Socken anziehen. Optisch ein Fauxpax, gefühlsmäßig aber um Längen besser. Und so krüppel ich Stück für Stück der Sonne ehm ich meine dem Ende meines ersten 20 Meilen Tages entgegen. 32 km mit 14 Kilo auf dem Rücken und in Sandalen, das muss man erstmal schaffen. Erschöpft komme ich um 19 Uhr am Zeltplatz an, wo bereits ein paar andere ihr Abendmahl zu sich nehmen. Schnell das Zelt aufgebaut, Essen gekocht und dann bin ich auch schon um 8 im Bett.

 

Tag 3

Meile 36-48

Schlangen: 0

Blasen: 2

 

Ich ziehe los. Die Tagesmission: Neue Schuhe in Mount Laguna ergattern. In vollem Eifer laufe ich erstmal glatt an der ersten Abzweigung vorbei und nehme nochmal zwei Meilen extra in Kauf. Gegen frühen Mittag komme ich an. Zuerst gibt's im lokalen Kiosk ein paar neue Cracker und Yumyum Suppen als Resupply und ein Marseis zum Lunch. Danach weiter zum Outfitter. Nach nur 5 Minuten sind die neuen Schuhe gefunden: Ein paar Altra Peak 3 in Gr. 39. Freudig humpel ich weiter. Doch nach ein paar Meilen merke ich, dass die Blasen noch immer zu präsent sind. Ein älteres Pärchen überredet mich auf ihrem Campingplatz zu übernachten. Die Aussicht auf eine warme Dusche (die erste nach 5! TAGEN) und ein paar faule Stunden in der Sonne verlockt. Gemeinsam mit dem Schweizer Pärchen Dave und Judith, mit OneDay und Olivier lassen wir den Abend mit Orangen und Orangensaft, einer Spende unserer Campingnachbarn, ausklingen.

 

Tag 4

Meile 48-69

Schlangen: 2

Blasen: 2

 

Früh morgens geht's los. Es geht ziemlich steil hoch und dann immer am Berg lang. Die Aussicht ist atemberaubend. Gleichzeitig ist es ziemlich heiss und unglaublich windig. Nach 10 Meilen treffe ich viele bekannte Gesichter an der Wasserquelle. Mit den Füßen im Wasser werden Thunfischwraps gefuttert und “vorgetrunken”, damit man später nicht so viel schleppen muss. Danach geht's weiter. Nach ein paar Meilen treffe ich auf Olivier, der mich noch krasse 11 Meilen mitzieht. Schnell wird das Zelt aufgebaut, Punkt 8 Uhr wird geschlafen.

 

Tag 5

Meile 69-79

Schlangen: 1

Blasen: 2

 

Es geht durch die Wüstenebene.  Es ist der bisher heißeste Tag, kein Wind und über 40 Grad. Gott sei Dank wartet nach der Wüstenebene die Trail Magic unter der Autobahnbrücke. HappyFeet und seine Freunde stellen Bier, Gatorade, Obst, Pasta und Chips. Stündlich kommen mehr Thruhiker an, am Ende sitzen wir mit ca 40 Mann im Schatten der Brücke. Bis zum späten Nachmittag genießen wir die kleine Luxusoase, dann geht es noch ein paar Meilen weiter und die Entscheidung zum ersten Cowboy Camping fällt. In einem Canyon bauen Olivier und ich Isomatte und Schlafsack auf. Die Sterne sind atemberaubend, die Insekten eher lästig. Glaub, dass ist doch nicht so mein Stil.

 

Tag 6

Meile 79-101

Schlangen: 2

Blasen: 4

 

Endlich Wind! So läuft es sich gleich wieder besser. Der Essenvorrat ist fast leer und somit habe ich nicht so viel zu schleppen. Die ersten 10 Meilen lege ich am Morgen mit Hilfe von Podcasts zurück, am Nachmittag geht's mit Olivier, Dave und Judith weiter. Die 100 Meilen-Markierung wird heftigst gefeiert und fotografisch festgehalten - danach stellen wir fest, dass es ein Fake war und die echte Markierung erst 100m weiter zu finden ist. Egal, jetzt haben wir ja schon das Bild. Weiter geht's zur nächsten Wasserquelle bei 101. Dort erwartet uns kühles Bier, von einem weiteren Trail Angel bereitgestellt. Guter Tag, nach einer Packung Mac n Cheese geht's in die Koje.

 

Tag 7

Meile 101-110

Schlangen: 1

Blasen: 4

 

Altern diese Füße killen mich. Gott sei Dank steht heute nur ein kurzer Tag an. Nach ein paar Meilen kommen wir am Eagle Rock an und machen kurz Pause. Danach geht's ein paar Meilen weiter bis in die erste “Stadt”. Warner Springs bietet neben dem weltbesten Community Center (Dusche, Wäsche, Resupply, Internet und Recharge und Fahrten in den “Stadtkern”) eine Tankstelle, eine Schule, ein Golfresort mit Restaurant und eine Feuerwache. Nach einem fetten Burger im Resort mit 30 anderen frisch gewaschenen Hikern sitze ich nun hier und lade Ausschnitte meiner letzten Tage hoch.

 

Sorry für die Rechtschreibung (hat jemand ein neues Handy für mich ???). Achja und die Bildqualitaet leidet unter der Internetgeschwinsigkeit. Oder andersherum. Bis bald. Stay tuned und so.

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Kommentare: 10
  • #1

    Phiieeeechen (Dienstag, 25 April 2017 08:43)

    Toll, toll, toll .. ich bin so happy über dieses erste Trek-Update. Ich schicke dir viel Liebe und die besten Genesungswünsche für die Füße. Bin stolz auf dich. Dicker Kuss :-*

  • #2

    Elena (Dienstag, 25 April 2017 09:49)

    Mit stolzgeschwellter Brust lese ich deine Einträge in der U8 und es kommt Fernweh und Vermissung gleichermaßen auf! Bitte schreib schnell weiter und lass keinen Tag aus!!

  • #3

    Claudia Digital (Dienstag, 25 April 2017 15:48)

    Ich bin so voller Respekt! Mir tun glatt die Füße mit weh, hier direkt unter dem Schreibtisch. Saskia! Halte durch und halte uns vor allem auf dem Laufenden! (Das Wortspiel! Genial!)
    Eine Frage noch zu dem Foto mit dem schwarzen Faden am Fuß. Was ist das?

  • #4

    Lene (Dienstag, 25 April 2017 15:54)

    Saskia!! Die Mädels haben von deinem Blog erzählt und ich musste sofort mal reinschauen. Hatte sehr viel Spaß beim Lesen haha :D Auch wenn das meiste wahrscheinlich hinterher lustiger klingt als es war. Pass gut auf dich auf, bin schon auf den nächsten Eintrag gespannt :)

  • #5

    Emma (Dienstag, 25 April 2017 16:10)

    Saskia!!! Such awesome adventures. And check out that handsome lizard.

    I have to ask what is the picture with the thread in your foot? It is so gnarly. Hiking is clearly not for the faint of heart.

  • #6

    Eli / SchneGGe (Dienstag, 25 April 2017 21:20)

    Querida Rousiii,
    als Jan mir heute Morgen aus deinem Blog vorgelesen hat, habe ich mich riesig gefreut! Wirklick spannend was du alles erlebt hast in der kurzen Zeit.
    Bin sehr gespannt wie es weiter GEHT mit deinen Hobbit-Füssen :-p
    Cuídate guapa y ánimo!

  • #7

    Sonja (Freitag, 28 April 2017 08:42)

    Gerade mit der Lektüre "Der Grosse Trip" fertig und lese nun mit Spannung Deine Berichte. Wie gesagt, Respekt vor Deinem Mut. Sind die scharzen Fäden wirklich das, was man vermuten kann???? Ohmann. Bin gespannt auf die nächsten Einträge!

  • #8

    Saskia (Freitag, 28 April 2017 23:22)

    Die schwarzen Faeden sind dann wohl, wonach es aussieht. Wirklich der beste Trick. Einfach ein paar Faeden mit Nadel durch die Blase und 1-2 Tage drinnen lassen zum Trocknen. Das wirkt Wunder!

  • #9

    Sonja (Dienstag, 16 Mai 2017 21:23)

    Hi, was vermisst Du zur Zeit am meisten? Einen Morgen lang in einem weichen Bett ausschlafen, Privatsphäre in der Dusche oder ungehemmten Zugriff auf Naschi und Chips? Wünsche Dir weiterhin viele aufregende Momente.

  • #10

    Saskia (Donnerstag, 18 Mai 2017 20:34)

    Hey Sonja, am meisten vermisse ich alltaegliches Essen wie Milch, Kaffee, frisches Obst und Gemuese. Ausserdem waere es schoen, ab und zu mal das Gesicht eincremen oder ne neue Unterbuechs anziehen zu koennen. Aber jetzt bin ich ja bereits einen Monat unterwegs, man gewoehnt sich dran ;D